Sonne strahlte über 53 Schulen und 50 Vereine

Hätz und Biss bei den "Schull- un Veedelszöch“

Kalt war’s, doch die Sonne strahlte: Pünktlich um 11 Uhr 11 setzten sich am Karnevalssonntag die "Schull- un Veedelszöch" in Bewegung. Rund 8.000 Teilnehmer – darunter zahlreiche Kapellen – machten sich auf den 7,5 Kilometer langen Weg durch die Stadt. Mit bunten Kostümen und phantasievollen Wagen begeisterten sie Zehntausende Zuschauer. 

Kölner Karneval ohne Hätz? Jitt et nit! Bestes Beispiel dafür die Realschule Lasallestraße: Sie widmeten den Mottowagen mit einem „Dreifachen Hoch soll er leben!“ ihrem nach 15 Jahren scheidenden „Baas“. Geradenoch-Rektor Horst Jacquemot (64) konnte dann auch unterm Römerhelm eine Träne der Rührung nicht verdrücken. Er hätte ja auch gerne weitergemacht, doch seine Frau war dagegen.

Doch auch liebevoll-bissig ging’s bei den 53 teilnehmenden Schulen zu. Sie spiegelten das gesamte Spektrum der Kölner Schullandschaft wider – von der Grundschule über Förderschule und Hauptschule bis Gymnasium, Gesamtschule und Berufskolleg. Da sorgte sich die Schülerinnen und Schüler des Heinrich-Mann-Gymnasium, dass sie beim doppelten Abiturjahrgang keinen Studienplatz bekommt ­– also die „Arschkarte“ zieht. Die dann auch jeder an entsprechender Körperstelle trug.

An der Liebfrauenschule haben Apps den Unterricht übernommen, Spickzettel-Apps inklusive. Die Leseratten der Städtischen gemeinschaftsgrundschule setzten dagegen noch ganz aufs Buch. Jede Menge Dreigestirne schickte die Domsingschule ins Getümmel. Trost für die Verantwortlichen des katastrophalen U-Bahn-Baus kam von der deutsch-italienischen Francesco-Petrarca-Gesamtschule: Die alten Römer sind’s schuld!

An der Katholischen Hauptschule Bülowstraße krempelt man nun selber die Ärmel hoch, nachdem sich die überfällige Sanierung schon Jahre hinzieht und ein Fertigstellungstermin nach dem anderen verfällt. Aber das ist ja irgendwie typisch kölsch.

Glücklich dagegen das Heinrich-Heine-Gymnasium, das in seiner neuen Mensa nur noch „Fit statt fett“ essen will. Die Katholische Grundschule Zugweg ­­schickte Engelchen auf die Erde, die bei allen Schulproblemen helfen sollen. Diese Schule ist schon seit 1951 ununterbrochen dabei – eine Tradition mit familiären Folgen: Rainer Decker (63) lernte hier nicht nur lesen und schreiben, sondern auch kölsches Brauchtum, das gab er an Tochter Sandra Riedesel (38) weiter und die vererbte es Stella (9) – drei vom Karnevalsvirus infizierte Generation.

„Wir haben keine Nachwuchssorgen, doch leider ist die Teilnehmerzahl hier begrenzt“, bedauert Rektor Bruno Praß und verweist auf den Erfolg der AG „Kölsches Brauchtum“. „Da machen alle Nationen mit, die es auf unserer Schule gibt“, erzählt er stolz.

Mit drei Generationen konnte auch die Karnevalsgruppe der DLRG aufwarten. Hier schätzen Heinz Sprenger (59) und Tochter Agnes Zimmermann (32) die jecke Gemeinschaft und den Spaß an der Freud. Die vierjährige Joelle kann noch nichts dazu sagen. Sie hält sich durch Fußballspielen mit Opa warm.

Denn bevor die 50 kleinen Karnevalsgesellschaften, Sportvereine und Stammtische sich den Schulen anschließen können, dauert es noch. So hatte der „Stammdesch En große Familich“ viel Zeit, dem letzten Rotwein nachzutrauern, den einst Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes angepflanzt hat. Die „Raderthaler Pänz“ suchten Orientierung im Geschäft, das keine Jahreszeiten mehr kennt: Da guckten die Narren aus dem Lebkuchenhäuschen, der Nikolaus schlüpfte aus dem Osterei und der Osterhase lenkte mit Wallebart den Rentierschlitten.

Die Wasserratten von „Ratteköpp Schmölzje“ tauchten in einem 20 Meter langen Vater Rhein nach dem Nibelungenschatz, der Kölns leere Stadtkasse füllen soll. Andere Nothilfe für die Stadt brachten die „Kölsche Fründe vun 1995“: Sie kamen als Heinzelmännchen aus dem Exil wieder und reparierten die desolaten Rheinbrücken. (js)

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Sonne strahlte über 53 Schulen und 50 Vereine
Hätz und Biss bei den \"Schull- un Veedelszöch“
Kalt war’s, doch die Sonne strahlte: Pünktlich um 11 Uhr 11 setzten sich am Karnevalssonntag die \"Schull- un Veedelszöch\" in Bewegung. Rund 8.000 Teilnehmer – darunter zahlreiche Kapellen – machten sich auf den 7,5 Kilometer langen Weg durch die Stadt.
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