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Kölns "Csárdásfürstin" ist ein Mann

Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht

Von EDGAR FRANZMANN

Männer in Frauenkleidern sind in Köln nichts Ungewöhnliches. Fragt sich also, warum Regisseur Bernd Mottl ausgerechnet die Hauptrolle in der Operette "Die Csárdásfürstin" mit einem Mann besetzt hat. Das sorgt weder für einen Skandal noch wäre es nötig, denn, wie heißt es im Stück doch so überzeugend: "Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht".

Emmerich Kálmáns Operette gehört seit der Uraufführung 1915 in Wien zu den großen Bühnenerfolgen, jeder kennt die Filmversionen u.a. mit Marika Rökk und Johannes Heesters. Um so überraschender, dass das Werk noch nie auf dem Spielplan der Kölner Oper stand. 

Die Köln-Premiere findet im kleinen Saal des Palladiums in Köln-Mülheim statt, der wie ein altes Varieté ausgestattet ist, das Publikum sitzt überwiegend an runden Tischen. Das Orchester thront an einer Längsseite, an den Enden befindet sich jeweils eine Bühne, gespielt wird auf diesen Bühnen aber auch in den Gängen durch den Saal. Das schafft zunächst einmal eine sehr angenehme Atmosphäre und bringt Zuschauer und Akteure hautnah zusammen.

Als Varieté-Vorstellung des Jahres 1915 wäre das alles ganz wunderbar, aber als Opernaufführung 2010/2011? Das Orchester wurde spürbar geschrumpft, Gerrit Priessnitz, der musikalische Leiter, hat eine eigene musikalische Fassung erstellt, die "nichts mehr mit dem romantisch besetzten Kálmán-Orchester zu tun hat, sondern mit einem solistisch besetzten Instrumental-Ensemble von zwölf Musikern".

Das Konzept ist in sich durchaus schlüssig, aber wer den Kálmán-Klang im Ohr hat und ihn in einer Aufführung der Kölner Oper auch hören will, wird enttäuscht. Und dann fehlt natürlich noch etwas im Klangbild dieser Operette: der Sopran der Titelheldin. Die Kölner "Czárdásfürstin" ist ein Mann, gespielt vom Schweizer Künstler Christoph Marti, bekannt als "Ursli Pfister" der Musik-Kabarett-Formation "Geschwister Pfister". 

Marti spielt ganz großartig, aber er singt eben keinen Sopran. "Überall dort, wo ein Sopran zwingend gewesen wäre, arbeiten wir mit einigen sinnvollen Änderungen in der Melodieführung, teilweise mit Oktavieren oder auch - je nach dem Charakter der Szene - mit dem Übergang von Singstimme in Sprechgesang", erklärt Gerrit Priessnitz im Programmheft. Leider ersetzt diese Erklärung nicht den fehlenden Gesang, und gerade diese Operette lebt nun einmal von den bekannten Melodien wie „Machen wir's den Schwalben nach“, „Das ist die Liebe, die dumme Liebe“, „Tanzen möcht' ich, jauchzen möcht' ich“ oder eben „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“.

Was eine Frauenstimme in einer Frauenrolle bewirkt, bewies Romana Noack, die innerhalb kürzester Zeit für die erkrankte Claudia Rohrbach einsprang und die Partie der "Komtess Stasi" übernahm. Gut anzuhören auch Carsten Süss als "Edwin", Martin Koch als "Graf Boni" und Alexander Fedin als "Feri Bacsi", alle Stimmen wurden per Mikrofon verstärkt.

Die Geschichte der "Csárdásfürstin" ist schnell erzählt: "Sylvia Varescu" ist Star eines Varietés und verliebt in den adligen "Edwin", der sich mit ihr verlobt. Edwins fürstliche Eltern wollen die unstandesgemäße Hochzeit mit allen Mitteln  verhindern und beordern Edwin zur Eheschließung mit "Komtess Stasi" zurück nach Hause. Am Ende triumphiert natürlich die Liebe, in der Kölner Version ist es die Liebe zwischen zwei Männern.

Nicht nur die weibliche Hauptrolle, auch manche weiblichen Nebenrollen sind männlich besetzt. Das ist hübsch anzusehen, wenn  muskelbepackte Männer auf Stöckelschuhen balancieren, aber als Travestie-Show für ein schwules Kölner Publikum ist die Show zu brav, als Opern-Aufführung ist sie musikalisch zu dünn.

Was bleibt ist ein netter Abend in netter Atmosphäre, vom Publikum mit freundlichem Applaus und einigen Buhs quittiert.

Nächste Aufführungen: 5./9./14./20./27. Januar.

Weitere Infos auf der Website der Kölner Oper.

 

 

 

(Erstellt am 3. Januar 2011 - 13:36 Uhr; aktualisiert 3. Januar 2011 - 18:20 Uhr)


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Kommentare

Vielen Dank für diese

Vielen Dank für diese ausführliche Besprechung! Damit hat es sich für mich erübrigt, dass ich mich um Eintrittskarten bemühe! Bleibt die Frage: muss man immer noch auf-Teufel-komm-raus und um der Rendite willen sämtliche Randgruppen des Universums bedienen? Es soll mir keiner mehr mit künstlerischer Freiheit kommen, das ist mehr als postmodern!

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