Serie: Einzigartig Einkaufen

Früher Sondermüll, jetzt Sondereditionen

Vom Feuerwehrmuseum in Euskirchen bis zur Feuerwache in der Kölner Innenstadt sind es 50 Kilometer. Die pro Jahr vom Kölner Label „Feuerwear“ zu Taschen und Portemonnaies ausrangierten Schläuche kommen ausgerollt auf etwa dieselbe Länge.

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„Die haben zuerst schon ein bisschen komisch geguckt“, erinnert sich Martin Klüsener, als er 2005 zu einer Feuerwehr-Wache in Euskirchen gefahren ist, um zu fragen, ob er nicht mehr aussortierte Schläuche bekommen könne. Der studierte Bekleidungstechniker wollte aus dem ausrangierten Material Taschen nähen. Nach der Gründung des Labels „Feuerwear“ verarbeitet er in seinem mit Bruder Robert Klüsener geführten Kölner Unternehmen sieben Jahre später jährlich etwa 50 Kilometer Feuerwehrschlauch von Wachen aus der ganzen Republik. Ausgerollt würde das vom Feuerwehrmuseum Flamersheim in Euskirchen bis zur Feuerwache in der Kölner Innenstadt reichen. Daraus entstehen pro Jahr 40.000 Unikate, die Feuerwear mittlerweile über 300 Händler in alle Welt verkauft. 

„Ich habe im Fernsehen mal gesehen, wie Feuerwehrschläuche ausgerollt werden“, erzählt Martin Klüsener, wie es zu der entscheidenden Idee kam. Zu diesem Zeitpunkt hatte er als Student der Bekleidungstechnik bereits im Rahmen seiner Diplomarbeit daran getüftelt, wie Abfallprodukte upcycelt werden können, wie Klüsener es nennt – also zu höherwertigen Produkten verarbeitet werden können. Damals waren allerdings noch Surf-Segel das Material seiner Wahl, aus denen er in kleine Serien bereits als Student Taschen nähte. Einige Experimente mit Kaffee-Säcken, LKW-Planen und Bahn-Wolldecken später fiel Klüsener, der seit seiner Schulzeit näht, beim Autofahren ein, dass man es doch mal mit Feuerwehrschläuchen probieren könne. Der erste Versuch, daraus eine Umhängetasche zu produzieren, gelang dem Tüfftler gleich, und genügend Nachschub an Material war auch vorhanden.

Inzwischen beziehen die Klüsener-Brüder von etwa 30 Wachen aus ganz Deutschland, zum Beispiel aus Hamburg, Berlin, Köln und Bonn, aussortierte Schläuche. Daraus entstehen dann in zwei Schneidereien in Polen und Serbien Gürtel, Handytaschen, iPad-Hüllen, Portemonnaies, Schlüsselanhängern und Taschen. Bill, Larry, Mitch, Pete, Scott und Ted heißen zum Beispiel die Modelle, deren Namen an eine US-amerikanische Feuerwehr-Truppe erinnern sollen und die dann über Unternehmen in München versendet werden. „Vorher sind die Schläuche im Sondermüll gelandet“, sagt Klüsener, der nicht nur das Material von der Feuerwehr bezieht, sondern auch das positive und spannende Image der Retter auf seine Stücke übertragen sieht. „Unsere Produkte sind verlässlich wie die Feuerwehr und bereit für den Einsatz im Alltag.“

"Der älteste Schlauch stammt aus dem Jahr 1956"

Im Durchschnitt haben die Schläuche, bevor sie angekauft Unternehmen in Bickendorf landen, 10 bis 20 Jahre Dienste für die Feuerwehr geleistet, sagt Klüsener vor einer von vielen Gitterboxen mit ausrangierten Schläuchen, die außen aus weißem oder rotem Polyester-Gewebe und innen aus schwarzem Vollgummi bestehen. „Der älteste von uns verarbeitete Schlauch, auf dem das Alter vermerkt war, stammte aus dem Jahr 1956.“ Feuerwear verwendet sogenannte B- und C-Schläuche. Aufgetrennt geben dann Breiten von 24 beziehungsweise 17 Zentimetern vor, welche Produkte daraus entstehen können. Nach dem auf Länge schneiden, waschen und trocknen, werden sie bündelweise zu den Nähereien verschickt.

„Jedes Produkt, das nebenbei noch hilft die Umwelt zu schonen, ist ein Unikat und hat seine eigene Geschichte“, erklärt Martin Klüsener und verweist auf die Gebrauchsspuren sowie die individuellen Prüfnummern, Herstellerangaben oder Vermerken, die auf den Schläuchen aufgedruckt sind. Übrigens gibt es die Portemonnaies, Taschen und Co nicht nur in rot, weiß oder schwarz (mit der Gummi-Seite nach außen), sondern einmal im Jahr in einer Sonderedition auch Modelle aus neongelben Sicherheitsschläuchen („Bei der Feuerwehr passieren viele Unfälle, bei denen Einsatzkräfte in voller Montur über die Schläuche fliegen.“), von denen es noch im Vergleich wenig ausrangierte Rollen gibt. Vom Sondermüll zur Sonderedition, keine schlechte Idee, die Martin Klüsener 2005 beim Autofahren hatte. (sar)

Adresse Wilhelm-Mauser-Straße 47, 50827 Köln  (nur Büro, kein Verkauf) Im Stadtplan | Telefon 0221 - 46 68 46 50 | E-Mail info@feuerwear.de | Webseite www.feuerwear.de | Facebook https://www.facebook.com/Feuerwear

Hier gibt es Feuerwear-Produkte in Köln zu kaufen.

 

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