Von Brubbeln, Kratern und Basalt

Vulkane und Geysire in der Eifel

Wer Naturphänomene wie Geysire sehen möchte, muss sich nicht unbedingt auf eine weite Reise begeben. Ein Ausflug in die Vulkaneifel tut's auch: So schießt zum Beispiel in Wallenborn eine kalte Wassersäule meterhoch aus dem Boden. Anschließend können Sie den Mosenberg erkunden, der als letzter der Eifelvulkane erloschen ist. In einem seiner Krater befindet sich der einzige Bergkratersee nördlich der Alpen. Und dann geht's noch auf den Spuren eines alten Lavastroms zur wildromantischen Wolfsschlucht.

Es beginnt ganz harmlos. Zunächst zeigen sich nur ein paar Bläschen. Dann fängt es an zu brodeln, der Wasserpegel steigt, und auf einmal schießt eine Fontäne empor, die bis zu drei Meter hoch werden kann. Abschließend wallt der natürliche Springbrunnen noch eine Weile nach, bis sich das Wasser langsam wieder in seine unterirdischen Gänge zurückzieht – und alles aussieht wie zu vor: eine grau-trübe, kalte Brühe in einer runden Steinfassung. Bis zur nächsten Eruption, in ungefähr 35 Minuten ... Der Brubbel, wie dieses Phänomen im Volksmund genannt wird, ist ein Erbe der vulkanischen Aktivität der Eifel. Schließlich liegt das Eifeldorf Wallenborn in einem Kraterkessel.

Der „Motor“ der wunderlichen Wassersäule ist einfache Kohlensäure. Aus den Tiefen des Bodens steigt dieses Gas durch Spalten im Gestein zur Erdoberfläche und nimmt dabei eben ein bisschen Wasser mit. Nach diesem schäumenden Auftakt begeben wir uns auf der Suche nach weiteren eigentümlichen Naturschönheiten noch tiefer in diesen Winkel der Eifel und fahren weiter nach Bettenfeld, eine kleine Gemeinde, in der noch die Milchkannen vor den Häusern stehen.

Wegbeschreibung:

Kurz vor dem Ortseingang befindet sich der Parkplatz „Mosenberg/Windsbornkratersee“, wo wir das Auto abstellen. Schon vom Parkplatz aus (direkt bei den Rastbänken) kann man von oben auf das sumpfige Hinkelsmaar schauen. Streng genommen ist es jedoch kein Maar (diese sind trichterförmige Vertiefungen, die durch vulkanische Gasexplosionen entstanden), sondern der Krater eines Vulkans. Bis 1840 war es mit Wasser gefüllt, dann hat man es trockengelegt, um Torf abzubauen. Wir laufen ein kurzes Stück auf dem Asphalt zurück, bis ein Holzschild uns den Weg zum „Mosenberg Bergkratersee“ weist.

Nach kurzem Aufstieg liegt der Windsbornkratersee vor uns – ein stiller, fast vollkommen runder See. Wie das Hinkelsmaar bildete er sich im Krater eines ehemaligen Vulkans, der allerdings auch heute noch mit Regenwasser gefüllt ist. Tatsächlich handelt es sich um den einzigen Bergkratersee nördlich der Alpen. Wir umrunden ihn einmal. An seinen Ufern wachsen seltene Pflanzen, wie der weiß-rosa blühende Fieberklee, eine alte Heilpflanze, die man früher zur Linderung von Fieber und Magenbeschwerden einnahm. Es ist ein kleines Gewässer und es wird immer kleiner, mit der Zeit werden die vielen abgestorbenen Pflanzen es in ein Moor verwandeln. Lassen Sie sich ein wenig Zeit, setzen Sie sich auf einen der vielen Holzstege, die ins Wasser führen, und beobachten Sie, wie der Wind sanfte Wellen über den See treibt…

Wenn wir wieder am Startpunkt unserer Seeumrundung angelangt sind, folgen wir dem Weg, der mit einem V gekennzeichnet ist. Dieses steht für Vulkanweg 13. Ein Pfad aus rotbrauner Erde führt zu einem großen Kreuz, das malerisch auf erstarrten Magmaschlacken steht. Der Pfad schlängelt sich durch weitere poröse Schlackenfelsen, anschließend geht es geradeaus durch den Wald den Hügel herunter. Wir überqueren eine lichte Kreuzung und tauchen gegenüber wieder in den Wald ein, in Richtung Wanderhütte und Grillplatz. Hinter der Grillhütte halten wir uns bei der Gabelung schräg links und folgen dem nächsten Pfad, der rechts abgeht und steil nach oben führt. Erneut kommen wir an dicken Lavabrocken vorbei und erreichen die Gipfelhütte auf dem Mosenberg, die auf 519 Metern Höhe liegt. Von diesem kleinen Aussichtsplatz hat man einen wunderbaren Rundumblick.

Anschließend steigen wir ein paar Stufen hinab und folgen von nun an den Wegweisern „Horngraben“ und/oder „Wolfsschlucht“. Wir wandeln an romantischen Wiesen mit Obstbäumen vorbei, dann geht es steil in die Tiefe, teilweise über Treppenstufen. Wir überqueren eine offene Wiesenlandschaft und orientieren uns an dem Schild, das uns den Weg linker Hand zum so genannten Horngraben weist. Dieser entstand ebenfalls infolge des Tobens der Elemente: Vor zigtausenden von Jahren ergoss sich Lava vom Mosenberg-Massiv ins Tal der Kleinen Kyll und erstarrte. Und genau auf diesem Lavastrom, der natürlich längst überwachsen ist, spazieren wir jetzt, zwischen Wiesen und Waldrand, irgendwann hören wir auch einen Bach neben uns plätschern.

Wir wandern weiter durch eine offene, sanft geschwungene Feld-, Wald- und Wiesenland schaft, kommen an riesigen Ameisenhaufen vor bei und finden uns erneut im Wald wieder. Hier erreichen wir schließlich die enge, zerklüftete Klamm der Wolfsschlucht – ein wahrhaft spektakulärer Anblick: An den Seiten stapeln sich vermooste Basaltbrocken dicht an dicht, darüber ragen hohe Lava- und Basaltwände auf. Was wir sehen, ist quasi ein Querschnitt durch den Lavastrom. Er wurde freigelegt, weil sich hier einmal ein Steinbruch befand. Der Weg führt uns steil bergab und man muss schon ein bisschen kraxeln. Am Fuß der Schlucht treffen wir auf die Kleine Kyll. Hier erst kam der glühende Strom zum Stillstand, wobei sich die langsam erkaltende Lava bis auf eine Höhe von 30 Metern aufstaute. Die Kleine Kyll grub sich im Lauf der Zeit tief ins Gestein und bahnte sich einen neuen Weg.

Wir halten uns rechts und folgen dem Schild „Rundweg Wasserfall“. Nach wenigen Schritten erreichen wir die Germanenbrücke, von der aus man einen guten Blick auf die sprudelnden Stromschnellen und die kleinen Wasserfälle hat, die bei sehr viel Wasser zwei Meter Höhe erreichen können. Auch die prägnanten Löcher in den Felsen sind Überbleibsel der vulkanischen Zeit. Sie wurden damals von einem richtigen Wasserfall verursacht, der wohl ebenfalls rund 30 Meter hoch war. Wir überqueren die Brücke und laufen linker Hand am anderen Ufer wieder zurück. Unsere Schritte führen uns bergauf, immer am wildromantischen, tief eingeschnittenen Bachtal entlang. Bei der nächsten Gabelung folgen wir wieder dem Schild „Rundweg Wasserfall“ und nehmen den linken Pfad bergab. Auf dieser Uferseite bleiben wir, wobei wir uns an dem Schild „Richtung Heidsmühle 15 min.“ orientieren.

Für die nächste Viertelstunde geht es direkt an der lieblichen Bachaue entlang. Wir kommen an der Marienhütte vorbei und erreichen schließlich die Heidsmühle, ein Ausflugslokal. Hier überqueren wir die Kleine Kyll und machen uns auf den Rückweg (nun fast die ganze Zeit bergauf) in Richtung Bergkratersee bzw. Windsbornkratersee und Mosenberg, bis an einer Gabelung der Wegweiser nach Bettenfeld auftaucht. Dieser führt uns an einem Wegekreuz und Schaf weiden vorbei in kürzester Zeit zum Parkplatz zurück.

Die Wanderung stammt auszugsweise aus:

Orte der Muße, Band 2
12 neue Ausflüge zu zauberhaften Plätzen im Rheinland

Gerti Keller, Willy Peter Müller, mit Fotografien von Eddi Meier
160 Seiten, mit 142 farbigen und 2 s/w Abbildungen und 13 topografischen Karten
12 x 20,5 cm, kartoniert

Erschienen im März 2008, Bachem-Verlag
12,95 Euro (ISBN: 978-3-7616-2161-5)

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Länge Wanderung Mosenberg / Wolfsschlucht: ca. 8 km
Gehzeit: 3 Stunden (inkl. Rast)
Schwierigkeitsgrad: einfach bis mittel (mitunter geht es recht steil auf- und abwärts)
Anfahrt: Nach Wallenborn/Bettenfeld: Z. B. auf der A 1 bis Abfahrt Blankenheim, dann über Wiesbaum, Hillesheim und Rockeskyll nach Gerolstein. Für die Weiterfahrt empfehlen wir eine der schönsten Eifelstrecken: an den Gerolsteiner Dolomiten entlang, über eine einsame Wald- und Höhenstraße nach Salm und von dort aus nach Wallenborn. In Wallenborn dem Schild „Wallender Born“ folgen. Dann über Schutz, Bleckhausen, Manderscheid nach Bettenfeld. Vor dem Ortseingang auf dem Parkplatz „Mosenberg/Windsbornkratersee“ parken.
Einkehren: Gasthaus Weiler, Holzbeulstr. 8, 54533 Bettenfeld, Tel. 06572/4611, www.gasthaus-weiler.de
Karte: Wanderkarte Nr. 33 des Eifelvereins, „Vulkaneifel um Manderscheid“, 1:25.000

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http://www.koeln.de/koeln/freizeit/freizeitsport/wandern/vulkane_und_geysire_in_der_eifel_166227.html
http://www.koeln.de/files/koeln/bachem_wan_musse01-03_225x150.jpg
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