Hinab der Ahr

Von der Kalenborner Höhe nach Mayschoß

Die zehn Kilometer lange koeln.de-Wanderung führt uns an die schöne Ahr. Von der Kalenborner Höhe aus geht es durch idyllische Weinberge ins Winzerstädtchen Mayschoß, das zu einem Schoppen einlädt, bevor der Weg zurück zum Ausgangspunkt führt. Die Wanderung dauert rund drei Stunden.

Not macht erfinderisch, und so erfanden sie in Mayschoß an der Ahr den ersten deutschen Winzerverein. Das war 1868, denn damals war die Not am größten. Wein gab es genug, vier überreiche Ernten seit 1865 hatten die Fässer und Fuder gefüllt, weit mehr als Markt und Menschen schlucken konnten. So lagen mit dem Wein die Absatzpreise tief im Keller. Und das Vereinigte Europäische Subventionspanorama mit Butterberg und Weinsee lag noch lange hinter jedem Horizont.

Es war ihr Küster Coßmann, der den Winzern den Zusammenschluss empfahl. Mag sein, dass ihm sein Herrgott dafür wohlgesonnen war. Auf Erden gab es eher Schwierigkeiten: Die Weinhändler predigten den Widerstand, der Wirt verschloss den Gründungswilligen sein Stammlokal, und die Kreissparkasse drehte den Kredithahn zu. Doch 1869 war es dann so weit: der Mayschoßer Verein kam ins Handelsregister als erste Winzergenossenschaft Deutschlands. Bei 50 Pfennig Eintritt und einem Beitrag von einem Groschen pro Monat verdoppelte sich im selben Jahr bereits die Mitgliedzahl auf vierzig. 1871 gab es einen ersten Reisenden, der ihren Wein vertrat, und 1874 hatten die Genossenschaftler schon ihren eigenen Keller - und ein paar Nachbardörfer, die es ähnlich machten.

Dann kam die Eisenbahn, und mit der Bahn der Boom: zwar 1880 nur bis Ahrweiler, doch 1886 über Mayschoß schon bis Altenahr. Und im Hinblick auf die Schankwirtschaften der Genossenschaften, die es nun schon mehrfach gab, hatte schon der Baedeker von 1883 angemerkt: „Dieselben erfreuen sich grossen Zu spruchs." An schönen Wochenenden wird hier spät bis in den Herbst Oktoberfest gefeiert, auch wenn es nicht so heißt. Vier Wochen enden im Oktober Weinfest: Manchmal geht da nichts mehr auf der B 267, der Ahr-Rotweinstraße im Tal, selbst in den Waggons der Ahrtalbahn herrscht Überfüllung. Da freut man sich denn über einen solchen Weg nach Mayschoß von der Kalenbornerhöhe, wo schon die Römer ihre Handelswege hatten, von 344 Metern über NN hinab auf 135. Und zweimal geht es dabei geradewegs durch die berühmten Weinbergslagen unterhalb des Mönchsbergs.

An der kleinen weißen Kapelle gleich neben dem Hotel, dort wo die „Hilberather Straße" abzweigt, überqueren wir die Fahrbahn und folgen gegenüber dem Sträßchen „Am Weidenhardt". Schon vor dem ersten Wohnhaus weist uns ein kleines Schild nach „Mayschoß" und nach rechts („10"). Es geht an Ackerland vorüber, danach durch einen kleinen Wald mit Wochenendbehausungen und wieder in die freie Flur. So erreichen wir bald den bewaldeten Rücken der Weidenhardt, rund 200 Meter hoch über der Ahr, wo unser breiter, gerader Weg das erste Stück hinab zwei Namen oder Nummern hat: „6" und „10".

Zur Linken fällt der Berg rasch ab mit Fichtenwald. Rund 400 Meter nach der Höhe, am Rande eines freien Sattels neben Ackerland zur Rechten, gabelt sich der Weg: Wir wandern nun nicht halbrechts weiter auf der breiten Trasse („10"), sondern wenden uns im Schwenk nach links („Maßschoß") und folgen so dem Schieferweg hoch an der Böschung im dünnstämmigen Buchenwald („6"). Nur 150 Meter später knickt der Weg nach rechts und führt uns bald darauf durch enge Kehren immer mehr hinab, bis er einem dünnen Wasserlauf zur Rechten talwärts folgt. Einmal gabelt sich der Weg, wir bleiben rechts und nah der Kerbe, in der das Wasser in die Tiefe springt.

Dann erreichen wir die Wegkreuzung mit dem Rotweinwanderweg mit vielen Hinweisen und einer Wegtafel rechter Hand. Wir überqueren nur den Weg und wandern weiter geradeaus zu Tal noch immer mit dem kleinen Wasserlauf zur Rechten. Auch wo bald darauf ein breiter Weg nach links in die Rebhänge führt, bleiben wir nah an dem Bach, der hier von Weidenbäumen dicht gesäumt ist.

Dann gabelt sich der Weg im Weingebiet vor einem Bildstock von 1888 mit einer Ruhebank davor. Links führt der Weg gleich ohne Weiteres nach Mayschoß. Wir bleiben weiter rechts, überqueren nun den Wasserlauf, dem wir so lange folgen konnten, und wandern weiterhin der Ahr entgegen. Über den hohen Rebstöcken zur Linken erhebt sich der schroffe Rücken des Etzhardt, teils mit buntem Laub und teils mit Wein bewachsen. Vor Zeiten schlängelte die Ahr sich auch um diesen sogenannten Umlaufberg herum, der als quarzitdurchsetzter „Härtling" der Erosion der Schieferschichten um ihn hergetrotzt hatte, bis der Fluss den Hals der Umlaufschlinge im weicheren Gestein dann doch durchbrach.

Zur Linken liegt im alten Bett der Ahr, den Blicken fast entzogen, ein Campingplatz. Rechts türmen sich die Weinterrassen der Lage „Silberberg". So heißt denn auch das Sträßchen, das uns im Talgrund rechts verlässt. Wir wandern weiter und geradewegs nun in den Ort von Mayschoß, hinter dem sich hoch auf ihrem Kegelberg die kantigen Reste der Saffenburg erheben. Vor dem kleinen Spielplatz an der „Tiergartenstraße" halten wir uns rechts und stoßen neben einem kleinen Basaltlavakreuz auf die „Bungertstraße" und gehen weiter links. Wir folgen nun der „Bungertstraße", auch wo sie bald als Querstraße verläuft, doch ihren Namen beibehält, noch einmal links und mitten durch den Ort, vorüber an der Einmündung der „Sonnscheidstraße" und weiter geradeaus, bis wir die Ahrtalstraße erreichen, die hier „Ahr-Rotweinstraße" heißt, damit die Autofahrer aus dem fernen Münsterland, dem Ruhrgebiet und aus Ostfriesland wissen, dass sie hier am Ziel sind. Gewissermaßen in „El Ahrenal"!

Hinter dem Platz mit dem „Weinbrunnen" biegen wir am Kriegerdenkmal links in die „Dorfstraße" ein, kommen an der Feuerwehr vorbei und in den zweiten Kern von Mayschoß. Auch hier bestimmt der Wein das Bild, vor allem aber wohl die Arbeit: Seit dem Zusammenschluss des Winzervereins mit dem von Altenahr im Jahre 1990 zählte die Genossenschaft rund 280 Mitglieder mit 120 Hektar Anbaufläche. Doch die meisten Winzer leben längst nicht mehr vom Wein allein: 92 Prozent von ihnen betreiben den Weinbau inzwischen als Nebenerwerb.

Vorüber an der Abzweigung des „Fuhrwegs", folgen wir der „Dorfstraße" bis an die Kirche, die rechts der Straße mitten in den Reben liegt. Sie ist Sankt Nikolaus geweiht, nicht dem Schutzpatron der Winzer, Urban, aber hinter dem Altar schmückt roter Wein das Innere des Chors, und mitten in den Weinterrassen liegen auch die Toten auf dem Friedhof.

Von hier aus folgen wir der Straße durch das Oberdorf hinauf und durch die Biegung in die Weinberge. Nach 400 Metern stoßen wir bei einem Wegkreuz aufs Neue auf den Rotweinwanderweg, steigen weiter geradeaus, wo uns der Rotweinwanderweg bald nach links verlässt. Unser Weg nach oben ist hier ebenfalls markiert: mit „5" und „6". Es geht nun einen knappen Viertelkilometer weit hinauf, dann links und rechts durch enge Kehren und hinauf, bis sich der Weg vor einem Felsen gabelt. Hier verlassen wir Weg „5" und steigen mit Weg „6" nach links und in den Wald, vorbei an einem Ruheplatz der vereinigten Wanderfreunde von Mayschoß und Dernau, und weiterhin im Wald und durch Kurven bergauf, bis wir zwischen Kiefern einen Hinweis auf die Aussicht finden: „O Wanderer hier verweile / ohne Hast und Eile / Schau ins Land wie schön die Welt / danke dem der sie erhält". Wir schauen in die Welt, und was wir sehen, ist noch einmal Mayschoß mit der Kirche und der Saffenburg darüber.

Wenig später müssen wir den geraden Weg verlassen, der nur noch bis zur bewirtschafteten „Akropolis"-Hütte verläuft: Wir gehen hier im spitzen Winkel rechts zurück und weiterhin bergauf, im Schwenk nach links, bis uns das Zeichen „6" ein zweites Mal nach rechts weist, weil das Wegstück vor uns endet, und so geht es weiter durch den Wald mit Kiefern und mit Eichen, nach einem halben Kilometer dann entlang an einer Wiese auf der Passhöhe der Weidenhardt, noch einmal durch Kiefernwald und so im Schwenk nach links zuletzt bis auf den breiten Querweg, den wir schon vom Anfang kennen. Ihm folgen wir nach rechts bis auf die Kalenbornerhöhe, wo nichts mehr an die Ahr und an den Wein erinnert.


Die Wanderung stammt auszugsweise aus:

Die Ahr
4., aktualisierte Auflage
Peter Squentz, Michael Bengel
240 Seiten, mit 159 farb. Abbildungen, 37 Karten, 12 x 20,5 cm, kartoniert

Erschienen im Bachem-Verlag
14,95 Euro (ISBN: 978-3-7616-1436-5)

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Anfahrt: Parkplätze für Gäste am Hotel „Kalenborner Höhe", ansonsten 250 m weit rechts in der „Hilberather Straße" auf der Kalenbornerhöhe. Oder mit der Ahrtal bahn bis Mayschoß und dort beginnen.
Wegverlauf: Anfangs Rundweg „10", danach mit „6" bis ins Tal nach Mayschoß, zurück mit „5" und „6", am Ende „10"
Dauer: 3 Stunden
Länge: 10 km
Anstiege: Entsprechend dem Abstieg vom Beginn ist der gesamte Rückweg ein langer Anstieg von gut 200 Höhenmetern. Anschlusswanderungen: Touren 11 oder 15
Wanderkarte: Das Ahrtal 1: 25.000 (= Wanderkarte Nr. 9 des Eifelvereins)
Gasthäuser: Zahlreiche in Mayschoß. Hotel-Restaurant „Kalenborner Höhe", Gelsdorfer Str.11, 53505 Kalenborn. Tel. 02643/81 31 (Di Ruhetag)
Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, Ahr-Rotweinstr. 42, Tel. 02643/936 00
Hinweise: Die „Akropolis-Hütte" (vgl. Karte) ist jeden 2. und 4. Sonntag im Monat bewirtschaftet, Auskunft: Tel. 02643/16 10
Auskunft: Tourist-Information Mayschoß, An der Rotweinstraße 42, 53508 Mayschoß, Tel. 02643/83 08, Fax 936 093
Internet: www.mayschoss.de, www.winzergenossenschaft-mayschoss.de, www.seit1864.de
 

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Hinab der Ahr
Von der Kalenborner Höhe nach Mayschoß
Die zehn Kilometer lange koeln.de-Wanderung führt uns an die schöne Ahr. Von der Kalenborner Höhe aus geht es durch idyllische Weinberge ins Winzerstädtchen Mayschoß, das zu einem Schoppen einlädt, bevor der Weg zurück zum Ausgangspunkt führt. Die Wanderung dauert rund drei Stunden.
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