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Wandern im Naturschutzgebiet

Durch den Geisterbusch in der Wahner Heide

Die koeln.de-Wanderung führt durch ein Natuschutzgebiet direkt vor den Toren der Großstadt Köln: die Wahner Heide. Auf gut 5 Kilometern wandert man durch Heide, Moor und Wald. Im Geisterbusch, auf dem "Brand-" und "Wolfsweg" und im Hudewald entdeckt man seltene Tiere und ist der Natur nah, wie sonst kaum.

Als das Rheinland preußisch wurde, 1815, lag Wahn mit seinen Weilern in der Heide hinterm Mond. Hier lebten noch die alten Geister und Gespenster, und sie lebten länger als woanders: der „Griemes“, der die Kinder holte, wenn es dunkel wurde, die Hexe, die das Vieh zur Ader ließ, der grässliche „Malkopes“, der hinter jeder Hecke stecken konnte. 1817 kam ein königlicher Schießplatz in die Heide, mit ihm Soldaten, Eisenbahn, bald Industrie und später gar die Autobahn. Die Bauern ließen von den alten Geistern ab, nur an einem halten sie noch heute fest: Das war der Amtmann von Porz.

Er war für den Herzog von Berg die Amtsgewalt von Altenberg bis Langel, und dieser eine trieb es ganz besonders arg im Königsforst: Die Bauern sollten hohe Steuern zahlen, auch wenn des Herzogs Hirsche ihnen die Äcker zerwühlten und die Ernte fraßen. Häufig riss das Wild so gar das Stroh vom Dach mitsamt den Rüben für den Winter. Wehren durften sich die Bauern nur mit Stecken und mit Hunden von der Größe zwischen Spitz und Mops! Gegenwehr auf Kosten eines Hirschs war Wilderei und wurde mit dem Tod bestraft. Das ging so lange, bis ein Bauer klüger wurde. Und eines Morgens lag der finstere Amtmann von Porz tot im Geisterbusch am „Wolfsweg“ – mit einer Kugel in der Brust. Seither hört man ihn in dunklen Nächten hoch am Himmel jagen, mit Pferden, Hunden und Geschrei.

Wegbeschreibung:

Der Geisterbusch ist heute unser Ziel. Bei Sonne mag sich niemand von dem Namen schrecken lassen, und am Himmel sehen wir nur Jets im Landeanflug, doch bei Dunkelheit und Nebel mag die Bezeichnung passen, und früher standen noch Wacholderbüsche hier, mannshoch wie das Steinbild des Komturs in „Don Giovanni“. Am Parkplatz an der „Alten Kölner Straße“ lesen wir die Warn- und Hinweisschilder, ehe wir die rot-weiße Schranke passieren und auf dem „Brandweg“, also dem Weg nach Brand, den Truppenübungsplatz von einst betreten. Das dürfen wir seit 2004 auch unter der Woche, wenn auch nur entlang der rot markierten Pfosten.

Der breite Sandweg wird von einem Stichgraben begleitet. Zur Rechten liegt die „Wolfsheide“, nur noch ein Name: keine Heide mehr und auch kein Heim für Wölfe. Zur Linken liegt der Geisterbusch, der wiederum kein Busch ist, sondern Heideland, von dem wir hinter Kiefern und Weiden vorerst nur den Ginster sehen. Zwei zottelige Ziegen hinterm Wildzaun tun sich an den Birken gütlich. So werden sie satt – und die Heide bleibt Heide. Glanrinder und eben diese Ziegenherde stehen hier im Dienste der Natur.

Auf den "Brandweg"

Dann öffnet sich der Blick nach links, und wir erreichen nach 600 Metern einen breiten Querweg, eine Brandschneise der Preußen, die die Belgier „November“ nannten. Nicht, weil der Geisterbusch Novemberstimmung schüfe, sondern nach dem Alphabet der Nato: Alpha, Bravo, Charlie, Delta, Echo, Foxtrot – und November. Hier stehen häufig Vogelfreunde mit Stativ und Rohr, denn der Geisterbusch wie das folgende Flurstück „Unter den dicken Hecken“ sind ein Paradies für Ginsterwürger, Neuntöter und Ziegenmelker, die im Schutz der Heide wie der Weidezäune gut gedeihen. Der „Brandweg“ steigt beim Weiterwandern an und schwingt sich auf den Busenberg, von dessen flacher Höhe wir den Rand von Köln entdecken und den Flughafen Köln-Bonn, zweieinhalb Kilometer weit entfernt mit seinen Terminals, näher, je nach Wind, mit seinen Landeanflügen.

Am Fuß der Höhe verlässt in einer leichten Rechtsbiegung der „Brandweg“ nun als schmaler Pfad nach links die breite Piste; wir passieren wieder eine Schranke und erreichen den Parkplatz an der ruhigen „Brander Straße“. Links kommen wir mit ihr nach etwa einem halben Kilometer an das Jugendhilfezentrum Stephansheide der Diakonie Michaelshoven. Die Wanderkarte des Eifelvereins von 1932 kannte hier nur Wald und gar nicht weit entfernt ein „Wirtshaus“. Seit 1940 baute dann die Wehrmacht an dieser Stelle ein Kriegsgefangenenlager mit dem zynischen Namen „Hoffnungsthal“, denn das eigentliche Hoffnungsthal lag von hier aus hinter Rösrath. In den Verwaltungsbauten residierte seit 1941 die Kommandantur, die meist russischen Gefangenen, rund 1.200, gar 1.500 bei der Befreiung am 13. April 1945, wohnten in den flachen Fachwerkbauten, die wir, wo der Fahrweg nach rechts knickt, links hinter Birken entdecken.

Zum Friedhof eines ehemaligen Gefangenenlagers

Nach weiteren 200 Metern verlassen wir im nächsten Schwenk die Straße vor der Anlage des Kalmusweihers und folgen links dem festen Weg in Richtung „Ehrenanlage“ und „Kalmusweiher“. Dies ist der „Rösrather Weg“, im Wald nun schon wieder mit roten Pfosten markiert. Gleich hinter den Teichen zweigt nach rechts ein Bach ab, wir wandern weiter geradeaus, überqueren einen Bach, der gleich darauf in den Kalmusbach fließt, und halten uns dann bei der nahen Gabelung auf dem festen Weg links. So erreichen wir nach rund 200 Metern links des Wegs den alten Friedhof des Gefangenenlagers für diese 112 ausländischen Opfer der Wehrmacht – oder, wie es auf dem Stein heißt, von „Hunger, Krankheit und Gewalt“.

Von hier aus bringt der Weg uns wieder in den „Königsforst“, wie der Davidsbusch auf alten Karten genannt wird. Erst durch den Bau der Autobahn im Jahre 1934, die von Rath und Rösrath eine Furche mitten durch den Wald zog, wurde die Wahner Heide vom alten Staatsforst getrennt. Jetzt ist das eine schön gehegter Forst, das andere ein buntes Durcheinander, „das artenreichste Heide-, Moor- und Waldgebiet in NRW“, wie die Homepage www.wahner-heide.com stolz verkündet, zwei Naturschutzgebiete mit einer Autobahn dazwischen. Rund einen halben Kilometer nach dem Ehrenmal stößt der „Rösrather Weg“ auf den „Wolfsweg“, den alten Karrenweg von Spich nach Bensberg, auch er zerschnitten von der Autobahn.

Links bringt der „Wolfsweg“ uns am Hute- oder Hudewald entlang, einem parkähnlichen Areal von großen Eichen ohne Unterholz dazwischen. Früher trieb man hier und andernorts das Vieh zum Hüten in den Wald, Schweine vor allem, und das Vieh fraß nicht allein die Eicheln, die am Boden lagen, sondern jeden grünen Spross. Heute schaffen das die Ziegen. So erreichen wir am Wegekreuz die Eiche vor dem Geisterbusch mit der Hinweistafel auf den Porzer Amtmann und sein nachvollziehbares Geschick. Hier war es, denken wir: Dort lag er, Friede seiner Seele. Wir folgen jetzt dem schönen Weg „November“ links und mitten durch die Heide, studieren die Natur und ebenso die Tafeln nah dem Boden. Nach 700 Metern stehen wir erneut am „Brandweg“ und kommen rechts zurück zum Start.

Die Wanderung stammt auszugsweise aus:

Tippeltouren Band 11
25 neue Wanderungen rechts und links des Rheins
Bergisches Land, Eifel, Siebengebirge

Peter Squentz
192 Seiten mit 145 farbigen Abbildungen und 26 Karten
12 cm x 20,5 cm, kartoniert

Erschienen im Bachem-Verlag im Juni 2009
14,95 Euro (ISBN: 978-3-7616-2298-8)

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Anfahrt: Der Geisterbusch liegt an der L 84 nach Altenrath, der Parkplatz „Brandweg“ 3,2 km vom „Mauspfad“ entfernt, auf der dann linken Seite.
Wegbeschreibung: Diese Runde folgt vom Parkplatz aus der Markierung (Vogelsilhouette, gegen den Uhrzeigersinn), nimmt dann aber an der Geisterbusch-Erinnerungstafel den Weg über die Schneise links (und rechts zurück zum Ausgangspunkt).
Dauer: 2–3 Stunden
Länge: 5 km

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