• Home
  • Do, 27. Jul. 2017
  • Stadtplan
  • cologne.de
  • Branchen
  • KoelnMail
  • Experten

Röhrende Rothirsche

Die "Fliegenbergtour" durch die Wahner Heide

Die "Fliegenbergtour" führt auf 9 Kilometern durch den südwestlichen Teil des Naturschutzgebietes Wahner Heide vor den Toren Kölns. Man sieht Rothirsche, hat einen Blick in offene Heide- und Buschlandschaft und erklimmt den höchsten Hügel der Heide.

Unsere Wanderung heißt nach dem wichtigsten Anlaufpunkt „Fliegenbergtour“. Sie führt durch den Süden der Wahner Heide und ist mit dem stilisierten Kopf eines Schafbocks markiert. An wenigen Tagen im Jahr ist das Gebiet gesperrt, wenn die Bundeswehr hier ihre Manöver abhält. Der Einstieg ist von mehreren Orten aus möglich.

Wegbeschreibung

Wir beginnen unsere Wanderung auf dem Gelände von Burg Wissem, Sitz des einzigen europäischen Bilderbuchmuseums und eines der vier Eingangs- und Informationsportale für die Wahner Heide. Es geht vorbei am Hirschpark - hier können wir tatsächlich in aller Ruhe Rothirsche betrachten - und am Waldfriedhof, dann biegen wir links in die Heerstraße und kommen, nachdem wir die Altenrather Straße überquert haben, auf den Mauspfad. Dabei handelt es sich um das Relikt einer alten Landstraße, die früher vom Niederrhein bis in den Taunus führte.

Durch einen Wald mit alten Eichen kommen wir zu den Überresten einer Eremitage. Hier wohnten seit dem Ende des 17. Jahrhunderts einige Franziskaner und lebten vor allem von der Bettelei, bis der Kölner Erzbischof dem Treiben rund 150 Jahre später ein Ende setzte. Ganz in der Nähe, am Ravensberghang, fand man Hinweise auf menschliche Tätigkeiten, die bis rund 200.000 Jahre v. Chr., also bis in die Altsteinzeit, zurückreichen. Über den Eichelhäherweg geht es bergan. Rechts entwickelt sich unter alten Kiefern ein neuer Mischwald mit Stileichen, Hainbuchen und Sandbirken.

Höchster Hügel der Wahner Heide

Schließlich erreichen wir den Gipfel des Telegraphenbergs, mit 134 Metern der höchste Hügel in der Wahner Heide. Vor uns öffnet sich der Blick auf die Scheuerbachsenke, eine mit Bäumen durchsetzte offene Heide- und Buschlandschaft. Ob die aufsteigenden Flugzeuge, die kurz zuvor am Flughafen Köln/Bonn gestartet sind, zu dieser Kulisse einen reizvollen oder störenden Kontrast bilden, mag jeder selbst entscheiden.

Weitere Wanderungen durchs Bergische Land

Wir verlassen den Telegraphenberg nach kurzer Verschnaufpause in nördlicher Richtung und kommen durch einen Niederwald mit alten Eichen. Auf dem Eisenweg, einer alten Handelsverbindung zwischen dem Rheinland und dem Siegerland, halten wir uns in Richtung Osten. Im Sommer trifft man hier mit ziemlicher Sicherheit auf eine große Schafherde, die das Gebiet offen hält. Links des Wegs zappelt der Nachwuchs von Kreuzkröte, Teichfrosch und Geburtshelferkröte in kleinen Tümpeln. An einem Wanderparkplatz treffen der Eisenweg und der Stellweg zusammen.

Flugsand baut Muskeln auf

Wir überqueren die Altenrather Straße und spüren in der Fliegenbergheide schon bald unsere Muskeln, da der Weg mitunter durch tiefen Flugsand erschwert wird. Doch der weite Blick ins Tal von Agger und Sieg entschädigt uns für die Mühen. Der Fliegenberg ist die Heimat der selten gewordenen Zauneidechse, die hier in unmittelbarer Nähe zu ihrer Feindin, der ebenso raren Schlingnatter, lebt.

Wir wandern weiter in Richtung Aggeraue und steigen hinauf in ein kleines Birkenwäldchen. Bis 1965 wurde hier Quarzit abgebaut. Die dadurch entstandene Schlucht füllte sich mit Wasser, so bildete sich der heutige Quarzitsteinsee. Weiter geht es zum Kronenweiher, Relikt eines früheren Heidemoors. Für den Torfabbau wurde dieses Gebiet entwässert, und mit dem Ende dieser Nutzungsart entstand der Kronenweiher, der langsam zuwächst. Ohne menschliche Eingriffe wird sich hier in vielen Jahren wieder ein Moor entwickeln.

Wo der größte europäische Specht nistet

Am Südwesthang des Güldenbergs säumen Buchen unseren Weg, die zum Teil älter als 200 Jahre sind. Hier baut der größte europäische Specht, der Schwarzspecht, seine Nisthöhlen, die gern auch von anderen Tieren, etwa Hohltaube oder Siebenschläfer, als Quartier genutzt werden. Der Siegburger Weg führt uns bis zum Parkplatz des Aggerstadions. Hier biegen wir wieder ab in den Wald und kommen auf dem Brunnenkellerweg zum Leyenweiher, der vor knapp 200 Jahren künstlich angelegt wurde. Bis zu 15 Libellenarten tummeln sich hier zwischen Rohrkolben und Seerosen, in deren Schutz Wasserfrösche auf fette Beute lauern.

Vorbei an den Resten des einstigen „Brunnenkellers“ – hier wurde früher der Heimbach aufgestaut, um Milch und andere verderbliche Lebensmittel zu kühlen – wandern wir weiter in südöstlicher Richtung und kommen entlang des Waldfriedhofs wieder auf die Heerstraße. Zurück auf Burg Wissem krönen wir unsere Wanderung bei einer leckeren Mahlzeit im Restaurant „Quattro Passi“. (Foto: Frank Hecker)

Mehr Info übers "Quattro Passi" und weitere Ausflugslokale

Die Wanderung stammt auszugsweise aus:

Wildes Rheinland
14 unentdeckte Naturparadiese vor unserer Haustür

Bernd Pieper
192 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen und Karten
12 cm x 20,5 cm, kartoniert

Erschienen im Bachem-Verlag
14,95 Euro
(ISBN: 978-3-7616-3146-1)

Jetzt online direkt bei Bachem bestellen

Start und Ziel: Burg Wissem, Burgallee 1, Troisdorf
Streckenlänge: knapp 9 Kilometer
Anfahrt: vom Bahnhof Troisdorf mit den Buslinien 503, 506, 507 und 508 bis Haltestelle „Ursulaplatz“ oder „Römerstraße“
Navi: Burgallee 1, Troisdorf

 

Tourenbeschreibung | Die Wahner Heide | Lebensraum und Bewohner