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Auf der Fietsallee

Entlang des reizvollen "Grand Canal du Nord"

Die Radtour ist ein Teilstück der "Radroute des Jahres 2009" in NRW und führt über die Fietsallee entlang des Nordkanals. 31 Kilometer radelt man immer am Wasser entlang von Neuss bis nach Viersen. Die Fietsallee folgt den historischen Spuren von Napoleons "Grand Canal du Nord".

An der frischen Luft erhält man sowohl Kenntnisse über die Region am und um den Nordkanal herum, genießt gleichzeitig die kulturellen Höhepunkte der Zwei-Länder-Region. Die gelungene Mischung von Natur und historischen Sehenswürdigkeiten macht den Reiz der Fietsallee aus. Neben Museen, Kirchen und Festungen sind auch Wälder, Moore und Felder Wegbegleiter der Strecken.

Wegbeschreibung:

Um keinen Meter dieses historischen Weges zu verpassen, müssen wir zunächst einmal zu seinem Startpunkt gelangen, auch, wenn wir später einen kleinen Teil des Weges noch einmal zurückfahren werden. Der günstigste Zugang dorthin ist für Zugreisende der Bahnhof Neuss-Süd. Von dort aus gelangen wir am schnellsten zum Neusser Sporthafen im Stadtteil Gnadental, wo die „Fietsallee am Nordkanal“ beginnt. Das ist dort auch deutlich dokumentiert: Eine große Informationstafel zu Historie und Verlauf des Kanals ist aufgestellt worden und ein metallener Quader mit einem leuchtend roten N darauf, der weithin sichtbar in die Parklandschaft am Rhein gebaut wurde.

Von nun ab begleitet uns das „blaue Band“ und die rot-weißen Stelen als Wegweiser für die Fietsroute. Das blaue Band ist immer dort durchgängig auf den Boden gemalt, wo es der Untergrund zulässt, also zumeist auf den asphaltierten Radwegen und Straßen. Wo dies nicht möglich ist, also auf unbefestigten Wegen, stellte man im Abstand von fünfzig Metern blaue Pfosten an den Wegesrand, die die Orientierung enorm vereinfachen. An bestimmten Streckenabschnitten wirken sie wie ein endlos langes Kunstwerk in der Landschaft.

Die seltener aufgestellten, großen rot-weißen Stelen dienen nicht nur der Orientierung, sondern markieren des Öfteren Punkte herausragender Ingenieurleistungen am Kanal. Wir können uns also bedenkenlos dieser optischen Wegweisung anvertrauen und uns, statt auf Radkarten zu schauen, auf die Landschaft konzentrieren. Die wechselt im Verlauf unserer Tour immer wieder zwischen urbaner Parklandschaft, Industrieräumen, Landstraßen und Feld- Wald- und Wiesenabschnitten.

Der Kanal kommt in den Blick

Vom Sporthafen aus radeln wir in der Auenlandschaft am Rhein unter Bäumen hindurch auf dem Scheibendamm, vorbei am alten Brückenwärterhäuschen und landen schließlich am belebten Alexianerplatz. Kurz darauf biegen wir ein in die Nordkanalallee, der wir bis zur Ecke Selikumer Straße folgen. Hier treffen wir auf das Epanchoir, dort, wo sich die Obererft, über die seit dem 15. Jahrhundert die Neusser Mühlen im Stadtgraben mit Wasser versorgt wurden, und der Kanal kreuzen. Das Epanchoir ist ein bereits 1809 fertig gestelltes Einspeisungs- und Entlastungsbauwerk, welches dazu dienen sollte, den Wasserstand des Kanals zu regulieren. An diesem Punkt sehen wir zum ersten Mal den Kanal, dem wir nun folgen.

Wir biegen über eine Brücke auf die rechte Seite des Kanals und befinden uns im mitten im Neusser Stadtgebiet gelegenen Stadtgarten. Wunderbar unter Bäumen fahren wir dahin, teilen den breit angelegten Rad- und Fußweg mit einer Menge Spaziergänger, Radfahrer und Jogger. Immer wieder blicken wir auf den Kanal, der von den Ästen alter Bäume überwuchert ist und über den immer wieder kleine Brücken führen. Der Stadtgarten geht in den Stadtwald über; auch hier dasselbe Bild: Ein breit angelegter Weg, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite unseres Wasserweges, lässt uns vergessen, dass wir uns mitten in einer großen Stadt bewegen. Kurz hinter dem „Jröne Meerke“ in der Neusser Nordstadt, einem See, der viele Erholungssuchende anzieht, endet der schöne Park und wir biegen auf den Radweg entlang der Viersener Straße und der Neersener Straße ein.

Hier, kurz vor Kaarst haben wir einen abrupten Landschaftswechsel. Die Tour wird zur Landstraßenpartie, die Natur tritt zurück und für ca. acht Kilometer begleitet uns rechts unseres Radweges kräftiger Verkehr. Sicher hätte man sich den Weg hier attraktiver gewünscht, aber wir befahren ja den historischen Lauf des Nordkanals und der war geplant als Handelsstraße. Kein Wunder also, dass er heute auch durch Industriegebiet führt. Bei Kaarst erreichen wir bald die „Brücken über den Nordkanal“, ein Kunstwerk des Kaarster Künstlers Wilhelm Schiefer. Auf fünf Stelzen, die hüben und drüben vom Kanal aufgestellt sind, sitzen hausähnliche Gebilde, die mit Leitern und Stegen verbunden sind.

Die Räder laufen wie von selbst

Links und rechts von uns liegt das große Naherholungsgebiet der Stadt Kaarst mit den Kaarster Seen als zentralem Punkt. Wir bemerken auf unserer Straße wenig davon, sehen nur, dass sich neben der Straße Waldgebiete mit fein angelegten Spazierwegen befinden. Zwischen Schiefbahn und Büttgerwald biegen wir endlich von der befahrenen Landstraße ab, queren den bis dahin oft ganz verödeten Kanal und befinden uns auf einer lang gezogenen, ruhigen Straße. Der Kanal ist jetzt wieder offen und von Bäumen bestanden. Die Räder laufen auf dem glatten Untergrund wie von selbst und es ist eine wahre Freude, ohne störenden Verkehrslärm hier entlangzufahren.

Am Ende dieser Straße finden wir an einem alten, rostigen Stauwehr einen kleinen Rastplatz, an dem einige Schautafeln zum „Leben am und im Nordkanal“ aufgestellt sind. Wir lesen Interessantes über die Flora und Fauna, schauen uns um und entdecken die eine oder andere Pflanze: das Johanniskraut, die Schwertlilie oder den roten Fingerhut. Wenn wir Glück haben, sehen wir den Graureiher im Wasser stehen oder können die Bisamratten bei ihrer Arbeit beobachten. Hier, bei Knickelsdorf endet der Kanal und sein Verlauf ist an unserem Weg mit dem „blauen Band“ gekennzeichnet. Ein Stück noch fahren wir durch den Wald an der A 52 entlang, passieren einen links Feldweg an einer Bahntrasse entlang unter der A 44 hindurch in Richtung Cloerbruch, wo wir auf die Niers stoßen, deren Verlauf wir nun etwa 500 Meter folgen.

Mitten auf diesem Streckenabschnitt finden wir am Kreuzungspunkt der Niers mit der geplanten Nordkanaltrasse eine befremdlich anmutende technische Konstruktion: die „Erlebnisbrücke“, welche der Aachener nach historischen Vorbildern von Schwebefähren baute. Diese Schwebefähren waren dazu gedacht, Menschen und Material alternativ zu aufwendig gebauten Hub- oder Klappbrücken über Flüsse zu transportieren. Man zieht sich einfach in einer Gondel mittels eines Seilzugsystems über den Fluss. Das kann hier vergnüglich ausprobiert werden.

Viersen - eine lebendige Stadt

Wir nähern uns langsam dem Ziel unserer Tour, passieren jedoch noch einen interessanten Punkt: das Klärwerk Neuwerk. Auf einem Hügel neben unserem Weg steht eine rot-weiße Stele und macht uns neugierig. Wir klettern hinauf und haben einen weiten Überblick über die Anlagen des Klärwerkes. Natürlich wird uns der Sinn dieses Aussichtspunktes auf Schautafeln ausführlich erklärt. Da steht unter anderem: „... Die Trasse des .... geplanten Nordkanals verläuft diagonal über das Gelände der Kläranlage Mönchengladbach-Neuwerk und über die Verwallung.“ „...Da die Führung des Weges über die Verwallung nicht möglich war, ist der Verlauf des geplanten Nordkanals durch Markierungsstangen gekennzeichnet.“

Vieles mehr steht da noch zu lesen über die Aufgabe und Funktionsweise des Werkes und man kann sich ein wenig Zeit nehmen, dies zu studieren, zumal der Niersverband sich alle Mühe gegeben hat, den Aussichtspunkt touristenfreundlich zu gestalten. Wir gelangen schließlich nach Viersen, der lebendigen Stadt, die mit einem vielfältigen Kultur- und Tourismusprogramm aufwartet. Wir haben endlich wieder Asphalt unter den Rädern und gelangen schnell zum Endpunkt der Tour, dem Bahnhof Viersen, der für einige der folgenden Touren

Die Radtour stammt auszugsweise aus:

Mit dem Fahrrad entlang der Fietsallee am Nordkanal
Die schönsten Touren zwischen Neuss und Nederweert

Hrsg.: Themendienst
112 Seiten mit 82 farbige Abbildungen und 9 Karten
21 cm x 15 cm , Spiralbindung

Erschienen im Mai 2009, Bachem-Verlag
14,95 Euro (ISBN: 978-3-7616-2311-4)

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