Mittelalterliche Burgen, kleine Dörfchen

Landpartie im Siegtal und Windecker Ländchen

Auf der 32 Kilometer langen Radtour erkundet man das obere Siegtal und das Windecker Ländchen. Mittelalterliche Burgen, kleine Dörfchen und urige Einkehrmöglichkeiten erwarten die Radler.

Die Radtour entstammte dem Fahrradführer „Rhein, Ahr und Sieg“, der einlädz, die Umgebung der drei Flüsse und ihrer Täler mit ihrer faszinierenden Landschaft von ihrer schönsten Seite kennen zu lernen. Das Buch zeigt  Touren entlang der Flüsse Rhein, Ahr und Sieg und gibt Hinweise zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten entlang der Strecken. Das Buch entführt den Radfahrer nicht nur zum Drachenfels, auf die Rotweinstraße oder in den Bonner Rheinpark, es bietet auch Touren zu weniger bekannten aber genauso bezaubernden Orten im Dreiflüsse-Eck.

Wegbeschreibung

Unser Start- und Zielpunkt ist Dattenfeld-Dreisel an der Gaststätte „Siegperle“. Von hier aus überqueren wir auf dem Dreiseler Weg die Siegbrücke, biegen rechts in den Lindenweg ein, dann geht’s rechts weiter auf die Siegstraße. Dieser folgen wir einen Kilometer, ehe es nach rechts auf einen Rad- und Fußweg an der Trasse der Eisenbahn abgeht. Wir bleiben einen Kilometer auf dem Weg bis hinein nach Windeck-Schladern Dieser Weg ist sehr zu empfehlen, da die alternative Siegstraße eine äußerst stark befahrene Verkehrsader ist. Nach diesem Kilometer geht es rechts in die Elmoresstraße.

Tipp am Rande: Wer der Straße nach rechts folgt, stößt direkt auf die Preschlinallee und findet dort nach 400 Metern die Burg Mauel mit einem hübschen Ausflugslokal, das eine Geschichte aufzuweisen hat, die bis ins Mittelalter zurückgeht. Dem Burghaus unterliegt ein quadratischer Grundriss, wobei das gesamte Gebäude ursprünglich mit einem Burggraben versehen war, der im Laufe der Zeit zugeschüttet wurde. Die Außenmauern stammen aus dem 15. Jahrhundert. In einem der Deckenbalken ist noch die Jahreszahl 1577 zu finden. Die 1572 gegossene Glocke der Pfarrkirche Rosbach nennt einen „Maurizt‘tzom Hofe“ als Besitzer. Des Weiteren wird in der Mitte des 16. Jahrhunderts ein Hinrich vom Hofe genannt. In den folgenden Perioden wechselten häufig die Besitzer, wobei das freie Gut von Personen bewohnt wurde, die nicht dem Adel angehörten, weshalb es nicht als landtagsfähig galt, bis das Burghaus 1797 Sitz der französischen Kommandatur wurde.

Zurück auf der Elmoresstraße kommen wir am „Hotel Bergischer Hof“ vorbei, bis wir auf die B 256, die von einem Fahrradweg begleitet wird, stoßen. Dem folgen wir etwas über fünf Kilometer durch Rosbach, Eulenbruch hindurch und bis zum Ortsrand von Windeck-Wiedenhof. Hübsch daran ist nicht zuletzt, dass uns die Sieg auf diesem Stück rechts begleitet. Nun geht es nach rechts auf der Dahlhausener Straße in den Ort Imhausen, wo wir den Fluss überqueren und der Straße 3,5 Kilometer bis Dahlhausen folgen. Dort biegen wir nach links in die Landstraße nach Windeck-Ehrenhausen ab und fahren dann im Bogen nach rechts auf die Ehrenhausener Straße, auf der wir nach drei Kilometern schließlich Leuscheid erreichen.

Hier hat man dem großen deutschen Fotografen August Sander ein Denkmal gesetzt: Der Platz vor der schönen Leuscheider Kirche ist nach ihm benannt. Sander gehört zu den bedeutenden Künstlern seines Fachs. Sein Werk umfasst Landschafts-, Natur-, Industriearchitektur- und Stadtfotografie. Berühmt wurde er vor allem durch seine Porträtkunst, wie sie exemplarisch in der Fotoserie „Menschen des 20. Jahrhunderts“ ausgeführt ist. Darin versucht er einen Querschnitt der Gesellschaft der Weimarer Republik abzubilden. Beginnend mit der „Stammmappe“ – Bauernporträts aus dem Westerwald – unterteilt er seine Werk in sieben Gruppen: „Der Bauer“, „Der Handwerker“, „Die Frau“, „Die Stände“, „Die Künstler“, „Die Großstadt“ und „Die letzten Menschen“. Eindringlichere, exemplarischere und gleichzeitig individuellere Abbildungen von Menschen und Charakteren finden sich sonst nur selten in der Fotografie des vergangenen Jahrhunderts.

Wir durchfahren den Ort auf der Saaler Straße in Richtung Saal und erreichen den höchsten Punkt der Tour. Waren die landschaftlichen Eindrücke bislang schon sehenswert, so werden wir hier oben von wunderbaren Ausblicken über das Windecker Ländchen bis zum Westerwald hinein für die Mühen der Bergauffahrt endgültig belohnt. Überhaupt kann man auf dieser Tour ab Imhausen von einer echten Landpartie sprechen.

Wir durchfahren Saal auf der Hauptstraße, bis wir in Windeck-Saal auf die Ohmbacher Straße stoßen, der wir nach links folgen und die in einem befestigten landwirtschaftlichen Weg mündet. Hier beginnt eine, immer wieder herrliche Blicke auf die tiefer gelegene Landschaft freigebende, vier Kilometer lange Abfahrt hinunter ins Siegtal bis Röcklingen, die wir nicht hinunterrasen, sondern genießen sollten.

Wir durchfahren Wald, Wiesen und Weiden, finden saftiges Grün und kühlenden Schatten der Bäume auf dem gut befestigten Weg. Einen Kilometer nachdem der landwirtschaftliche Weg begonnen hat, finden wir links eine Hinweistafel zur „Heilquelle“ Ohmbach. Um dorthin zu gelangen, müssen wir eine kurze Strecke Wanderwegs durch den Wald in Kauf nehmen. Doch lohnt sich dies, denn die Heilquelle ist ein herrlicher Ort für eine Rast.

Zum Ausgangspunkt zurückgekehrt, folgen wir dem Weg einen Kilometer und müssen nach einer Linkskurve rechts einbiegen, gelangen in den Wald, fahren die eingeschlagene Route und lassen schließlich links zwei und rechts eine Einmündung liegen. Danach durchfahren wir zwei Linkskurven und eine Haarnadelkehre, um schließlich auf dem Forellenweg nach Röcklingen zu gelangen. Dort überqueren wir die Bahnlinie; im Rechtsbogen durchfahren wir den Ort auf der Straße „Zur Ohmbach“, kehren nach rechts in den Oberhofweg ein und stoßen auf das „Röcklinger Ufer“, wo wir zum ersten Mal wieder einen Blick auf die Sieg werfen können.

Hinter einem Kiosk, an dem wir kurz Platz nehmen und uns erfrischen können, geht es rechts auf einem Fahrrad- und Fußweg über eine Anhöhe, dann durch ein kurzes Waldstück wieder hinab und schließlich auf einer blau gestrichenen Stahlbrücke über den Fluss bis zum Ort Hoppengarten. Direkt am Ende der Brücke verläuft der Rad-Ufer-Weg durch die herrlichen Siegauen nach rechts. Wir genießen die glatte 4,5 Kilometer lange Fahrt am Fluss bis Dattenfeld, sehen ihn gesäumt von dichtem Uferbewuchs und Laubbäumen. So manch ein abgestorbener Stamm liegt hier malerisch im kristallklaren Wasser und am rechten Ufer erheben sich die bewaldeten Hügel. An ruhigen Tagen steht der Fischreiher im seichten Gewässer und lauert bewegungslos den Fischen auf.

Solche Schönheit bleibt natürlich nicht unentdeckt und so teilen wir von nun an unseren Weg mit einer Menge Ausflügler. Auch Wasserratten haben hier die Sieg für sich entdeckt und wir beobachten oft Kanuten, die sich auf dem hier gemächlich fließenden Wasser ihrem Sport hingeben.

Wir erreichen Dattenfeld, dessen Wahrzeichen die St. Laurentiuskirche ist. Seit dem Mittelalter ist der Ort an der mittleren Sieg Bezugspunkt einer katholischen Gemeinde. Dies erklärt, weshalb hier diese in Größe und Ausstattung auffällige Kirche errichtet wurde. In ihrer heutigen Gestalt wurde die Pfarrkirche St. Laurentius, die auch Siegtaldom genannt wird, 1880 fertiggestellt. Ein Vorgängerbau wurde 895 erstmals urkundlich erwähnt. Ein zweiter Bau, eine romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert, wurde wegen Baufälligkeit abgerissen. Der aufgestockte romanische Turm bildet heute die ersten zwei Geschosse des Nordturmes und des Kirchenneubaus aus Bruchstein. Im Inneren findet der aus dem 13. Jahrhundert stammende und aus Trachyt bestehende Taufstein Aufmerksamkeit. Die Doppelturmfassade der Kirche und der sie umgebende Friedhof prägen das Zentrum von Dattenfeld. Sehenswert ist auch das im 17. Jahrhundert gebaute Pfarrhaus mit Rundturm sowie die Burg Dattenfeld selbst, die an der Burgstraße liegt. Sie ist heute in Privatbesitz und lohnt einen Abstecher. Schließlich besuchen wir noch die herrlich gestaltete Parkanlage an der Sieg, um von hier aus die restlichen drei Kilometer bis zu unserem Ausgangspunkt, der Siegperle, Gasthof zur Sieg in Dreisel auf dem Sieguferweg zurückzufahren.

Wer jetzt vom Hunger gepackt ist, der sollte unbedingt die Gaststätte besuchen, denn das Team erfahrener Köche serviert leichte, moderne Küche zu moderaten Preisen. Neben den Köstlichkeiten auf dem Teller ist das Dorfgasthaus traumhaft in der Flussaue der naturbelassenen Sieg gelegen.

Die Radtour stammt auszugsweise aus:

Rhein, Ahr und Sieg - Die schönsten Radtouren verbinden Vater Rhein mit seinen Töchtern
2., überarbeitete und aktualisierte Auflage, mit GPS-Daten
Manfred Theisen, mit Fotografien von Fritz Schnell; Hrsg.: Themendienst
128 Seiten, mit 98 farbigen Abbildungen und 18 Illustrationen sowie 16 Karten
21 x 14,8 cm, Querformat, Spiralbindung

Erschienen im Bachem-Verlag, Februar 2008
12,95 Euro (ISBN: 978-3-7616-2241-4)

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Streckencharakter:
Dies ist eine leichte bis mittelschwere Tour, die bis auf eine kurze heftige Steigung (hier kann man auch gerne absteigen) sehr gut zu fahren ist. Sie führt über Land- und Bundesstraßen, landwirtschaftliche Wege und reine Radwege am Fluss. Die Tour ist für alle Räder geeignet und auch mit Kindern zu fahren, da die Bundesstraßen über Radwege verfügen.

Streckenprofil
Tourlänge: 32 km
Min. Höhe: 100 m
Max. Höhe: 297 m
Ges. Aufstieg: ca. 493 m Ges.
Abstieg: ca. 494 m
Fahrzeit: ca. 130 Min.

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