"Der Kurschattenmann" im Theater am Dom

Frauen-Quartett nimmt Rache an Hochstapler

Von Jürgen Schön

Auf Kölsch würde man ihn Föttchesföhler nennen. Kommt ihm was Weibliches in die Quere, muss Ulrich zugreifen. Außerdem will er an das Geld der Damen. Das aber durchaus charmant. Dumm nur, wenn er mit drei Frauen gleichzeitig anbandelt und die sich zufällig treffen. Das kann nur böse für ihn enden. Durchaus zur (Schaden-)Freude des Publikums, das im Theater am Dom die Uraufführung des „Kurschattenmanns“ sah.

Geballte 333 Jahre Lebens- und zwangsläufig etwas weniger Berufserfahrung weist das Damen-Quartett mit einem Buben auf: Volker Brandt als liebenswerter Hochstapler Ulrich ist 77, Ingrid Steeger 65, Beatrice Richter 64, Christine Schild 64. Und Simone Rethel 63 – nach dem Tod von Ehemann Johannes Hesters steht sie erstmals wieder auf der Bühne. Da muss sich zumindest keiner Falten ins Gesicht schminken, wenn es im Sanatorium von Bad Pyrmont um späte Liebe geht.

Der Charme der routinierten Inszenierung (Regie: Horst Johanning) liegt sicherlich im Alter des Ensembles, besonders des weiblichen Teils. „Lasziv, sexy, der Punk geht ab“ wusste die Boulevardpresse schon vorab über die Rückkehr der Fernsehstars aus den 1970er Jahren zu berichten. Im Wesentlichen stimmt das, frech und frivol kann an einigen Stellen noch hinzugefügt werden. Man darf hier eine geschickte Besetzungspolitik unterstellen, die ihren Erfolg nicht verfehlt – dem schauspielerischen Können der fünf sei Dank.

Die amüsante Geschichte selber kommt nicht unwitzig daher, insgesamt aber oft zu zäh und behäbig. Autor René Heinersdorff ist da schon Schmissigeres gelungen. Eine gute Stunde dauert das Vorspiel, in dem Ulrich den Damen immer die bis aufs Wort gleiche Masche vorspielt. Nur bei seinen Berufen und den Kosenamen erlaubt er sich Variationen: Bei Alice (Christine Schild) ist er Banker und nennt sie Grashüpfer, bei „Seepferdchen“ Edith (Ingrid Steeger) ist er Architekt und bei Isabel (Beatrice Richter) Kapitän und sie ein Flamingo. Die drei genießen das Liebeswerben durchaus. Oder haben es genossen

Bei Oda (Simone Rethel) allerdings, die als letzte im Sanatorium auftaucht, beißt Ulrich er auf Granit. Im Gegenteil: Selber mit einem Hauch Hochstaplertum versehen, öffnet sie den anderen die Augen und der Aufstand gegen Ulrich beginnt.

Eine halbe Stunde dauern dann Bestrafung und Katharsis. In einem Höchsttempo-Verwechslungsspiel treibt das Damen-Quartett – plötzlich weht ein Hauch von „Golden Girls“ durchs Theater – Ulrich zum Nervenzusammenbruch. Und die Ex-Geliebten plus die geläuterte Oda fühlen sich frei, ihre eigenen Lebensträume zu erfüllen. Doch Isabel bricht aus den Bremer Stadtmusikanten in spe aus, bleibt bei Ulrich. Ein Glück, dass er alles überlebt hat und nun eine neue Verführungsgeschichte dahinquasselt und quasselt und quasselt bis in den Schlussapplaus hinein. Den gab’s für einen amüsanten Abend.

„Der Kurschattenmann“ ­– bis 9. Februar 2012, täglich 20 Uhr, sonntags auch 17 Uhr, , Theater am Dom, Opern-Passagen, Glockengasse 11, 50667 Köln. Karten: Theaterkasse 0221 / 258 01 53, www.theateramdom.de, sowie in unserem KölnTicket-Shop.

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\"Der Kurschattenmann\" im Theater am Dom
Frauen-Quartett nimmt Rache an Hochstapler
Auf Kölsch würde man ihn Föttchesföhler nennen: Kommt ihm was Weibliches in die Quere, muss Ulrich zugreifen. Außerdem will er an das Geld der Damen. Dumm nur, wenn er mit drei Frauen gleichzeitig anbandelt und die sich zufällig treffen. Das kann nur böse für ihn enden - durchaus zur (Schaden-)Freude des Publikums im Theater am Dom.
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