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Museum Ludwig

Frau Pechstein hinterm grünen Sofa wiedergefunden

Gewusst hat man es irgendwie, doch erst bei den Vorbereitungen für eine Ausstellung im August nahm man sich die Bilder routinemäßig genauer vor. Und entdeckte dabei wieder, was Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner und Alexej Jawlensky auf den Rückseiten ihrer Bilder gemalt hatten. Kuratorin Julia Friedrich und Restauratorin Petra Mandt vom Museum Ludwig stellten jetzt ihre drei Entdeckungen vor.

Da ist etwa der bekannte ”Weibliche Halbakt mit Hut”, 1911 von Kirchner gemalt. Die Rückseite war mit einem Schutzkarton versiegelt. Den nahm man jetzt ab und erblickte auf der Rückseite ein Porträt des Kindermodells Franziska Fehrmann vor drei nackten Erwachsenen. Von Jawlensky war bekannt, dass er hunderte Bilder beidseitig bemalte. Von der jetzt “entdeckten”, als “Skizze” bezeichneten Arbeit gibt es sogar ein Schwarzweiß-Foto im Werksverzeichnis. "Nachgeguckt" hat aber seit 1960 keiner mehr. Demnächst wird die bunte Straßenszene erstmals in einer Ausstellung zu sehen sein.

Rätsel gibt der Umgang mit dem Pechstein-Bild auf. Bis 1965 zeigte man die heutige “Rückseite”: Die Ehefrau des Künstlers vor einem Strauß Sonnenblumen und einem Spiegel. Warum man es dann umdrehte und bis heute die Frau mit Katze zeigt, die sich auf einem “Grünen Sofa” lümmeln, weiß keiner mehr. Im August wird “Frau Pechstein” nach 47 Jahren erstmals wieder Blickkontakt mit den Museumsbesuchern aufnehmen dürfen

Alle drei Bilder gehören zur Sammlung von Josef Haubrich. Der Kölner Jurist kaufte schon in den 1920er Jahren expressionistische Kunst. Er konnte seine Sammlung vor den Nazis retten, die die Expressionisten als “entartet” verboten und verfolgten. 1946 schenkte er die rund 250 Bilder der Stadt Köln. Im selben Jahr wurden sie schon ausgestellt und zeigten, was 12 Jahre lang keiner öffentlich sehen durfte. Mit der Ausstellung im August will man an den Mäzen und Kunstkenner erinnern.

Vor großen Ausstellungen ist es üblich, sich alle Exponaten genau anzusehen und gegebenenfalls zu restaurieren. So geschah es auch bei diesen Bildern. Hier macht vor allem die Qualität der Farben und ihre mangelnde Haftung auf dem Malgrund Sorgen. Jetzt wird überlegt, wie man die drei Bilder so ausstellen kann, dass der Besucher Vorder- und Rückseite betrachten kann. (js)

(Erstellt am 15. Mai 2012 - 14:20 Uhr; aktualisiert 15. Mai 2012 - 15:02 Uhr)


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