Buch "Napoleon am Rhein"
Franzosen brachten Schwung ins kulturelle Leben Kölns
Mit dem Einzug der Franzosen kam Schwung ins kulturelle Leben Kölns: Allein in der Spielzeit 1796/97 gab es 21 Opern-Erstaufführungen. Und nachdem der Domchor aufgelöst wurde, gründeten sich zahlreiche Vereine, die die „bürgerliche“ Musik hochleben ließen. Welche Auswirkungen die „Franzosenzeit“ kurz- und langfristig hatte, beschreibt das jetzt erschienene Buch „Napoleon am Rhein“.
Der Sammelband behandelt Aspekte, die der inzwischen vergriffene Vorgänger „Frankreich am Rhein“ noch ausließ. So etwa die Auswirkungen auf das kulturelle Leben oder die Spottlieder, mit denen die zerlumpten französischen Revolutionstruppen im Rheinland empfangen wurden. Ganz speziell: Die Hoffnung der Aachener, als Hauptstadt des neuen französischen Rur-Departements an die Tradition als Krönungsstadt deutscher Kaiser und der Stadt Karls des Großen anknüpfen zu können.
Erstmals vorgelegt wird auch eine zusammenfassende Geschichte der rheinländischen Wirtschaft. Nicht zuletzt die Kölner Wirtschaft konnte sich mit Auflösung des mittelalterlichen Zunftwesens wieder frei entwickeln. Die Bürger konnten endlich als frei handelnde Individuen auftreten. Der Kauf der säkularisierten Kirchengüter war der Start für viele unternehmerische Karrieren. Grundlage für diese Entwicklung war das französische Recht, dass selbst in den späten preußischen Rheinlanden bis 1900 galt.
Abgucken bei französischen Kollegen
Welchen Einfluss die knapp 20 Jahre der „Franzosenzeit“ hatten, zeigen die vielen Romane, die sich noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts damit beschäftigten. Dazu gehört auch der populäre Roman „Schneider Wibbel“. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich Architektur. Da dürfte es für manchen Kölner neu sein, dass die preußischen Architekten – nicht nur – beim Bau des Appellationsgerichts am Appellhofplatz kräftig bei ihren französischen Kollegen abguckten.
Für Herausgeber Jürgen Wilhelm ist das Buch ein wichtiger Beitrag zur deutsch-französischen Geschichte der letzten 200 Jahre, die von vier Kriegen geprägt wird. „Lediglich beim ersten, dem Einmarsch der Revolutionstruppen gab es im Rheinland freundliche Gefühle für die Franzosen. Napoleon wurde sogar als Befreier gefeiert“, bilanziert der Vorsitzender der LVR-Landschaftsversammlung. Und ergänzt: „Die französische Lockerheit kam der rheinischen Mentalität sicher entgegen."
Etwas gäbe es da allerdings noch zu klären: Die Stadtschlüssel, die Kölns Bürgermeister den anrückenden Franzosen 1794 überreichte und damit die friedliche Übergabe der Stadt besiegelte, befinden sich immer noch in einem französischen Museum. (js)
Jürgen Wilhelm (Herausgeber): „Napoleon am Rhein. Wirkung an Erinnerung an eine Epoche“ – Greven Verlag, Köln 2012, 200 Seiten, reich bebildert, 24,90 Euro“
(Erstellt am 24. September 2012 - 8:21 Uhr; aktualisiert 24. September 2012 - 8:44 Uhr)
Schon gelesen?
Vorheriger Artikel: Triple A ab Freitag wieder geöffnet






Kommentar hinzufügen