Film der Woche

Die Croods

Von Marcus Wessel

Nach der Eiszeit entdeckt ein neuer Animationsfilm nun die wundersame, abenteuerliche Steinzeit, in der Menschen noch in Höhlen lebten und überall tödliche Gefahren lauerten. Dabei wachsen uns "Die Croods", eine chaotische Neandertaler-Familie und unsere Vor-Vor-Vorfahren, ziemlich schnell ans Herz.

Als Höhlenmensch hatte man kein allzu bequemes Leben. Außerhalb der eigenen, eher spartanisch eingerichteten vier Wände war der Tod ein ständiger Begleiter und die Angst, von einem hungrigen Monster verspeist zu werden, eine ziemlich reale. Auch deshalb hat Familienoberhaupt Grug Crood (im Original gesprochen von Nicolas Cage) seine ganz eigene Überlebensstrategie für sich und seine Sippe entwickelt. Und in dieser ist Vorsicht das höchste Gebot. Allenfalls zum Jagen verlassen er und seine Familie den Schutz der ziemlich dunklen und deshalb vor allem bei Töchterchen Eep (Emma Stone) nicht gerade beliebten Höhle. Der Nachwuchs befindet sich mitten in der Pubertät, was das Zusammenleben nicht immer einfach macht.

"Die Croods" in den Kölner Kinos

Während der genügsame, eher einfach gestrickte Thunk mit großer Begeisterung das macht, was Vater von ihm verlangt, hat Rebellin Eep ihren ganz eigenen Kopf. Sie will sich nicht mit jedem Verbot so einfach abfinden, glaubt sie doch, dass das Leben nicht nur aus einem Versteckspiel und Angst besteht. Als sie zufällig dem jungen Abenteurer Guy (Ryan Reynolds) begegnet, wird ihre Neugier nur noch größer. Plötzlich entdeckt sie Gefühle, die ihr bislang vollkommen unbekannt waren. Papa Grug ist dagegen erwartungsgemäß wenig begeistert von der neuen Bekanntschaft seiner Lieblingstochter. Aber schon bald sind er und die anderen Croods gezwungen, ihr geliebtes Zuhause aufzugeben und in ihr bislang größtes Abenteuer aufzubrechen.

 

Wie gut Animationskunst und die Frühzeit unseres Planeten zusammenpassen, wissen wir spätestens seit der überaus populären "Ice Age"-Reihe. Dabei entdeckte schon Disneys "In einem Land vor unserer Zeit" die Faszination von Dinosauriern und anderen längst ausgestorbenen Tieren. Der Schritt zum Steinzeitabenteuer lag da eigentlich auf der Hand. Bei Dreamworks, deren Insel-Spaß "Madagaskar" ebenfalls auf viel Natur und putzige Hauptdarsteller vertraute, hofft man nun mit den „Croods“ auf eine weitere Erfolgsreihe. Und in der Tat kann man sich die sympathische Chaostruppe durchaus als die Protagonisten einer ganzen Serie von Abenteuern vorstellen. Die beiden Regisseure Chris Sanders und Kirk De Micco sind gleichermaßen Künstler wie Handwerker, die vor der Kulisse der in hübschem 3D animierten Neandertalerwelt eine zeitlose, überall verständliche Familiengeschichte erzählen.

Zu deren Botschaften gehört es, Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen, ihre Neugier zu stärken und Liebe nicht mit pathologischer Vorsicht zu verwechseln. Damit richtet sich „Die Croods“ zumindest auf dieser Ebene vor allem an die Eltern und ein älteres Publikum. Die kleinen Kinobesucher werden hingegen mit großen Augen Eeps Entdeckungsreise verfolgen. Niedliche Tierchen, die wie Guys Begleiter "Klammer" als spaßige Sidekicks dienen, dürfen bei diesem Mehr-Generationen-Abenteuer ebenfalls nicht fehlen. Auch das ist schließlich eines der ungeschriebenen Gesetze des Animationsgenres. Man stelle sich nur einmal „Ice Age“ ohne Scrat oder "Madagaskar" ohne Lemuren-König Julien vor – unmöglich. Ansonsten haben sich Sanders und De Micco bewusst für eine möglichst fantastische Auslegung des Steinzeitszenarios entschieden. So wird ihre Welt ausnahmslos von ziemlich schrägen Fabelwesen wie fliegenden Schildkröten bevölkert.

Die besten Szenen aus "Die Croods" in unserem CineChannel

Farbenfroh, manchmal sogar übertrieben bunt präsentieren sich "Die Croods", dabei bis ins kleinste Detail grandios animiert und mit viel Herz. Es ist letztlich die Formel der meisten erfolgreichen, amerikanischen Familienfilme, die hier zur Anwendung kommt, weshalb man das Ergebnis bei allen kaum zu bestreitenden Entertainment-Qualitäten manchmal etwas schematisch und berechenbar finden darf. Bereits Rebellin Eep wirkt gelegentlich wie eine Kopie von Pixars Rotschopf "Merida". Bei Dreamworks wird man diese Einwände allerdings verschmerzen können, sollte der Film an der Kinokasse ähnlich gut wie das bisherige Aushängeschild "Madagaskar" funktionieren.

Die offizielle Hompage zum Film
Die besten Szenen aus "Die Croods" in unserem CineChannel
"Die Croods" in den Kölner Kinos
Bildergalerie: Die Croods

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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