"Schwere Untreue"

Ex-Chefs von Sal. Oppenheim stehen vor Gericht

Köln (dapd-nrw). Deutschland steht ein neuer großer Wirtschafts-Strafprozess bevor: Das frühere Führungsquartett des Bankhauses Sal. Oppenheim sitzt von Mittwoch (27.2.) an vor dem Landgericht Köln auf der Anklagebank. Die vier Ex-Chefs der einstmals größten europäischen Privatbank müssen sich zusammen mit dem Immobilienunternehmer Josef Esch wegen schwerer Untreue und Beihilfe dazu verantworten. Nach Medienberichten vom Wochenende könnte der Strafprozess zum Auftakt einer ganze Reihe weiterer Verfahren gegen die Manager werden.

Allein im Zusammenhang mit der Beinahe-Pleite der Privatbank führt die Kölner Staatsanwaltschaft bereits 19 Ermittlungsverfahren, wie ein Sprecher dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte. Außerdem behält sich das neue Management der Bank laut "Handelsblatt" rechtliche Schritte zur Sicherung von Schadensersatz vor. Man werde das anstehende Verfahren "inhaltlich genau beobachten" und habe dazu "rechtliche Expertise hinzugezogen", zitiert das Blatt die Bank.

In dem am Mittwoch zunächst anstehenden Verfahren geht es um Immobiliengeschäfte, mit denen die fünf Angeklagten der Bank einen dreistelligen Millionenschaden beschert haben sollen. Sal. Oppenheim war 2009 in eine schwere Schieflage geraten und konnte nur durch einen Notverkauf an die Deutsche Bank vor dem Aus gerettet werden. Für das Verfahren sind 78 Verhandlungstage angesetzt.

Weitere Klage schon erhoben

Laut "Focus" haben die Ermittler schon eine weitere Klage gegen die vier ehemaligen persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses und gegen Esch, der mit Sal. Oppenheim lange Jahre eng zusammengearbeitet hat, erhoben. Sie werden darin der Veruntreuung von 380 Millionen Euro zum Nachteil des Geldinstituts beschuldigt.

Im Kern geht es dabei laut dem Bericht um Kredite an die ehemalige Großaktionärin des früheren Handelskonzerns Arcandor, Madeleine Schickedanz, die ohne ausreichende Sicherheiten gewährt worden sein sollen. Die Quelle-Erbin fordert von dem Bankhaus sowie von Esch in einem separaten Verfahren Schadenersatz für ihr bei der Pleite von Arcandor (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) verlorenes Vermögen. Insgesamt beträgt der Streitwert 1,9 Milliarden Euro. In den Strudel des Arcandor-Niedergangs war 2009 auch Sal. Oppenheim geraten.

Unter Berufung auf Justizkreise berichtet "Focus" außerdem, dass im Zusammenhang mit verlustreichen Investments der Sparkasse Köln/Bonn in Oppenheim-Esch-Immobilienprojekten und diversen Beraterverträgen 25 Strafverfahren laufen. Sie richteten sich gegen Top-Manager, Politiker, Wirtschaftsprüfer sowie amtierende als auch ehemalige Sparkassenvorstände. Ihnen werden unter anderem Steuerhinterziehung, Untreue und Korruptionsdelikte vorgeworfen.

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