111 Kölner Kneipen
Salziges Kölsch? Nicht im Bierhaus in d'r Salzgass
In der Salzgasse, wo im Mittelalter Fische für den Kölner Fischmarkt gesalzen wurden, treffen sich die Domstädter heute auf ein Bierchen. Im "Bierhaus en d'r Salzgass" genießen die Gäste aber nicht nur Kölsch, sondern auch deftige Mahlzeiten aus der Brauhausküche, in denen - im Gegensatz zum Bier - sicherlich auch die eine oder andere Prise Salz landet.
Dieses große, gleichwohl gemütliche Kölner Brauhaus wuchs vor einigen Jahren wie ein lang verschütteter Phönix aus der Asche. Denn ein Brauhaus hatte hier über viele Jahrhunderte bestanden, bevor verschiedene Mutationen ... Aber der Reihe nach.
Rund vierhundert Jahre lang, ab ungefähr anno 1500, hieß das Lokal »Zur Täsch«, also zur Tasche. Für die Zeit davor sind laut dem Kölner Brauhausforscher Franz Mathar Namen wie »Zum Hunen« oder »Zum hohen Durpel« (= Türpfahl) belegt. Der letzte Brauer vor der Auflösung der Zünfte durch die Franzosen 1798 hieß Christian Schult, ein Ratsherr. Zur langen Liste seiner Nachfolger gehört unter anderem Gottfried Thelen (von 1858–1861), der zuvor im »Verlorenen Sohn« am Buttermarkt gearbeitet hatte, einem legendären, heute verschwundenen Brauhaus. 1897 dann betrieb ein Reiner Schallenberg die Sudkessel. Mit seinem Tod im Jahr 1904 und der Aufgabe des Hauses drei Jahre später durch seine Frau erlosch hier die Tradition des Bierbrauens.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Kneipen, die man kennen muss" von Bernd Imgrund und Thilo Schmülgen (Fotos).
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Päffgen-Kölsch auf Ahorntischen
Die »Täsch« wurde zu einer einfachen Schänke, die jedoch dank ihrer zentralen Lage stets gut besucht war. Der Großmarkt, damals an der heutigen Deutzer Brücke gelegen, bot den Händlern Anlass für eine Einkehr, hier soll es gern auch schon vormittags hoch hergegangen sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg, so noch einmal Franz Mathar, wurde das Lokal zu einem Treffpunkt der Jazz- und Literaturszene.
Mit der Eröffnung des Bierhauses en d’r Salzgass im Jahr 2003 kehrte auch die ursprüngliche räumliche Aufteilung des Gebäudes zumindest teilweise zurück. Die typisch mittelalterliche zweistöckige Dielenhalle wurde großzügig freigelegt. Wie ein Zwischengeschoss funktioniert dabei die heutige Galerie mit ihren Panorama-Tischen. Und »Zurück zu den Wurzeln« heißt es auch in Sachen Bier: Denn mit Päffgen kommt hier das Kölsch einer klassischen Hausbrauerei auf die Ahorntische. (Teaserfoto: Bilderbuch Köln)
Adresse Salzgasse 5-7 | Tel. 0221/800 19 00 | www.bierhaus-salzgass.de | Öffnungszeiten täglich 12 Uhr | ÖPNV Bahn 1, 7, 9 Haltestelle Heumarkt | Sonstiges Brauhausküche, Außengastronomie
Die Serie auf koeln.de: 111 Kölner Kneipen, die man kennen muss
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Kneipen, die man kennen muss" von Bernd Imgrund (Text) und Thilo Schmülgen (Fotos), erschienen im Verlag Emons. Dieses Buch jetzt kaufen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.
(Erstellt am 20. Juli 2012 - 13:50 Uhr; aktualisiert 20. November 2012 - 14:07 Uhr)
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