„Die Ringe des Saturn“
Erzählung wird als Hörspiel inszeniert
Sie wollten schon immer wissen, wie das Wellenrauschen für ein Hörspiel gemacht wird? Man nehme Sand, schütte ihn in einen langen Stoffschlauch und hebe abwechselnd die beiden Enden hoch. Von einem Mikrophon verstärkt, glaubt man zu hören, wie die Wellen sanft und gleichförmig an den Sandstrand rollen.
Solche kleinen Erkenntnisse verschafft die englische Regisseurin Katie Mitchell. Die dunkle Bühne in der Halle Kalk ist ein riesiges „Tonstudio“. An den Wänden Regale mit den Requisiten für die Geräuschproduktion. 10 Musiker und „Geräuschemacher“ sind im Einsatz. Eine darf fast zwei Stunden lang – wie Sebald – über verschiedene Böden wandern. Mal ohne, meistens mit Rucksack – das macht einen Unterschied.
Drei Schauspieler lesen abwechselnd Sebalds stark gekürzten Text vor. Der Autor liegt im Krankenhaus und schreibt in Gedanken das Tagebuch seine Wanderung nieder. Eindrückliche Naturbeschreibungen wechseln mit Porträts und Biografien von Menschen, die er dabei kennenlernt. Es gibt historische Exkurse zur Geschichte von Städten und Schlössern – wobei meist von Verfall und Verlust die Rede ist.
Das alles in einer wunderschönen, sehr eigenwilligen Sprache. Die Rezitatoren versuchen nicht zu „interpretieren. Tragen vielmehr in einem ruhigen, nur mäßig modulierenden Ton vor. Nur einmal, als sich Sebald in einem Labyrinth verirrt und in leichte Panik gerät, wird es dem Inhalt entsprechend „dramatisch“. Ist Sebalds Buch mit historischen Abbildungen illustriert, laufen hier im Hintergrund historische Filme, und aktuelle Aufnahmen von den Orten des Geschehens ab.
Doch nicht nur das erfordert permanente Aufmerksamkeit des Zuschauers, der sich entscheiden muss, worauf er sich konzentriert. In Abständen öffnet sich die Rückwand und zeigt den Blick in das hell erleuchtete Krankenzimmer, im dem der Autor liegt. Eine Kamera überträgt das Geschehen auf die Bühnenrückwand: Das Pflegepersonal bei der Arbeit, die Qualen im Gesicht des Kranken, dem die Kamera bisweilen beängstigendd nahe rückt.
Am Ende suggeriert Mitchgell den Tod des Kranken. Damit geht sie über Sebalds oszillierende und offene Erzählung hinaus, interpretiert „Die Ringe des Saturn“ als Parabel mit eindeutigem Ende – eben dem Tod.
Die Zuschauer folgten dem Geschehen auf der Bühne gebannt, gewisse Konzentrationsschwächen ob Kompaktheit und Reizüberflutung nicht ausgeschlossen. Am Ende langer Beifall für das gesamte Team.
„Die Ringe des Saturn“ – weitere Aufführungen: 12.5., 13.5., 15.5., 18. Bis 23.5., 26.5., 28.5., jeweils 19.30 Uhr, , Halle Kalk, Neuerburgstraße, Köln-Kalk. Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00,
tickets@buehnenkoeln.de
(Erstellt am 12. Mai 2012 - 17:04 Uhr; aktualisiert 12. Mai 2012 - 17:11 Uhr)
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