Einzigartig Einkaufen (11)
Viel mehr als nur graue Hauspantoffeln
Raimund Aparicio kann sich nicht erinnern, wie viele Porträts über seine seit 1925 existierende Firma schon von Journalisten geschrieben worden sind. Ein Indiz, dafür dass es sich bei Filz Gnoss um ein besonderes Kölner Geschäft handeln muss. „Wir schneiden Filz auf Wunsch zu“, erklärt der Junior-Chef. „Solche Sachen, die bei uns verkauft werden, gibt es woanders nicht.“ In anderen Läden gebe es nur fertige Filz-Produkte.Weitere Artikel aus unserer Reihe "Einzigartig Einkaufen"
Da hängen sie an der Wand bei Filz Gnoss in der Apostelnstraße 21 im Kölner Zentrum: in schwarz, blau, orange, rot, rosa – und vor allem in grau. In grau mit rotem Rand, in grau mit grünem Rand, mit schwarzem Rand, mit hellgrauem Rand. 15 bis knapp 70 Euro kosten sie – die Pantoffeln, Wollfilzpantoffeln und Überpantoffeln, die bis vor wenigen Jahren das Produkt waren, an das fast alle beim Material Filz dachten.
Bildergalerie: So sieht es bei Filz Gnoss aus
Mittlerweile hat sich laut Aparicio das Kunden-Bild völlig geändert. „Filz hat in den vergangenen Jahren geboomt. Es wurde von den Designern und der Mode-Industrie wiederentdeckt.“ Spezielle Branchen hätten Filz allerdings immer gekannt. „Techniker haben Filz zum Beispiel immer geschätzt.“ Inzwischen aber kommen Jugendliche und Rentner gleichermaßen ins Geschäft, erzählt Aparacio, der 2011 die Firmenleitung von seinem Vater Ulrich von Kannen übernehmen soll. „Und sogar junge Leute kaufen sich jetzt auf einmal Filzpantoffeln“, staunt selbst der Junior-Chef ein wenig.
Bei Filz Gnoss gibt allerdings weit mehr als nur graue Pantoffeln: Vom Hut bis zum Schuh, von Möbelpolstern bis zu Filznoppen für Stuhlbeine, von Tischsets und bis zu Tischläufern, von Untersetzern und Topflappen bis zu Weinkühlern finden Kunden alles aus Filz in der Apostelnstraße 21.
Der Dom in Filz gestanzt
Den neuen Verkaufsschlager von Filz Gnoss entdeckten Aparicio und seine Eltern eher zufällig. Im Jahr 2000 experimentierten sie ein wenig mit dem Ausstanzen von kleinen Tieren – auch Ansichten des Kölner Doms waren dabei. Mittlerweile wird die Westseiten-Ansicht der Kathedrale mit den beiden Türmen in vielen Geschäften verkauft – ob als Erinnerung für Touristen für kleines Geld oder als Deko-Artikel.
Als die heutigen Firmenbesitzer Maria Olga und Ulrich von Kannen in den 1960er Jahren bei Filz Gnoss einstiegen, ging hauptsächlich grauer Filz über den Tresen: Hauspantoffeln und Unterlagen für Fernseher, Radios und Schreibmaschinen kauften die Kunden, die laut den Inhabern gerade am Wochenende schon immer auch von außerhalb der Domstadt anreisten.
200 Filz-Sorten im Angebot
Mittlerweile gibt es bei Filz Gnoss, 1925 von den Geschwistern Gnoss gegründet, um die 200 verschiedene Filz-Sorten in diversen Farben: unterschiedlich feste und dicke Filze, aus weißer, gemischter oder eingefärbter Wolle, Polster-, Sattel- und technische Wollfilze. „Man muss sich schon auskennen“, sagt Aparicio.
„Filz Gnoss“ prangt in geschwungener, blau-weißer Neoröhren-Leuchtschrift über dem Schaufenster des rund 130 Quadratmeter großen Ladens. Über die nicht ganz preiswerten Geschäfte nebenan in unmittelbaren Nähe zur hippen Ehrenstraße haben Journalisten vermutlich noch nicht so viele Porträts geschrieben. „Wir haben eine kleine Nische besetzt“, erzählt Aparicio. „Wir werden auch über die Runden kommen, wenn der Filz-Boom vielleicht wieder zu Ende geht. Den Werkstoff Filz wird es immer geben.“ (sar)
Filz Gnoss
Apostelnstraße 21
50667 Köln
Telefon: 0221 – 25 70 108
Fax: 0221 – 25 70 109
E-Mail: info@filz-gnoss.de
Internet: http://www.filz-gnoss.de/
Öffnungszeiten
Montag-Freitag
9:30-18:30
Samstag
10:00-16:00
Weitere Informationen im koeln.de-Branchenführer
(Erstellt am 4. Februar 2010 - 17:33 Uhr; aktualisiert 25. November 2010 - 14:27 Uhr)
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