Einzigartig Einkaufen (61)

Wo es das Brot von Konrad Adenauer gibt

Als Kölns Erster Beigeordneter erfand zu Zeiten des Ersten Weltkrieges ein gewisser Konrad Adenauer ein dem „rheinischen Roggenschwarzbrot ähnelnden Schrotbrot“ aus Maismehl. Leicht abgewandelt verkauft die Bäckerei Balkhausen noch heute das Adenauer-Brot.

Am 2. Mai 1915 bekam der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer vom Kaiserlichen Patentamt das Patent auf das vom ihm entwickelte „Verfahren zur Herstellung eines dem rheinischen Roggenschwarzbrot ähnelnden Schrotbrotes“. Als Erster Beigeordneter der Stadt Köln war Adenauer damals für das Ressort Versorgung mit Lebensmitteln verantwortlich. „Adenauer erfand zusammen mit der Kölner Bäckerinnung ein Brot auf Maismehl-Basis, das sättigt und aus Rohstoffen hergestellt wird, die zur damaligen Zeit nicht knapp oder rationiert waren“, sagt Gerhard Balkhausen. Das Rezept des später auch als Kölner Brot, Notzeit- oder Kriegsbrot bekannt gewordenen Adenauer-Brotes haben Balkhausen und seine Vorgänger inzwischen leicht abgeändert. Die Bäckerei Balkhausen verkauft das Adenauer-Brot heute laut eigener Angabe als einzige Bäckerei in Köln.

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„Roggen- und Weizenmehl waren knapp. Adenauer suchte gemeinsam mit der Kölner Bäckerinnung eine Alternative, um die Kölner satt zu bekommen“, erzählt Konditormeister Balkhausen, wie das Adenauer-Brot entstanden ist. Zusammen mit den Bäckermeistern und Brüdern Jean und Josef Oebel bekam Adenauer für das Brot-Rezept mit Mais, Reis und Gerste schließlich die Patentnummer 296648. Adenauer, der in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges auch ein Sojawurst-Patent erhielt, und die Brüder Oebel rösteten das Maismahl vor der weiteren Verarbeitung – der entscheidende Trick, damit das Kriegsbrot nicht auseinander fiel. Die Kunden waren zunächst aber gar nicht begeistert, erklärt die Deutschlandradio-Journalistin Susanne Nessler. Sie bezeichneten das Brot als „Viehfutter“. Nessler: „Die Eigenschaften, die heute ein gutes Bio- oder Vollkornbrot ausmachen, waren 1915 nicht beliebt.“

Bildergalerie: So sieht es in der Bäckerei Balkhausen aus

Das Brot, dessen Rezept der berühmte Kölner Oberbürgermeister erfand, wird bereits seit Jahrzehnten in der von Karl Göppel gegründeten Bäckerei in der Apostelnstraße gebacken. Allerdings änderten Gerhard Balkhausen, der das Geschäft heute leitet, und auch schon sein Vorgänger Karl Heidelmeier das Patentrezept ab und verfeinerten es im Laufe der Zeit. „Das Brot nach dem Original-Rezept würde man heute nicht mehr verkauft kriegen. Nach kurzer Zeit schmeckt es fad und trocken“, erklärt Balkhausen. Und doch bleibt Mais nach wie vor ein wichtiges Element im Adenauer-Brot des 21. Jahrhunderts. „Statt Maismehl verwenden wir heute Maiskörner, die wir dem Adenauer-Brot hinzugeben“, erklärt Balkhausen.

Wikingerbrot und Hindenburgplatz

Mit seinen golden leuchtenden Maiskörnern, die an den Enden der Laibe herausragen, ist das Adenauer-Brot fast 100 Jahre nach der Patent-Anmeldung einer der Stars in den Holzregalen der Bäckerei Balkhausen. Ihm hinzu gesellen sich allein 40 verschiedene Brötchen- und 80 unterschiedliche Brotsorten. Ob Wikinger-, Walnußbrot, Schweizer, Hunsrücker oder ein Brot namens Hindenburgplatz – Balkhausen kreiert gerne neue Vollkornbrotsorten. Als Beispiele nennt der Konditormeister das Möhrenvollkornbrot und sein Mexiko-Brot mit Chili und Bohnen. „Nicht nur das Adenauer-Brot, auch die Vielfalt an eigenen Brotsorten zeichnet uns aus“, führt Balkhausen an.

Balkhausen „ist der beste Bäcker in Köln“, urteilt der Marco-Polo-Reiseführer für Köln. Die Broterfindung des bekannten Kölner Adenauers wird dort bewahrt und vom Vollkornbrottüfftler Balkausen weiter entwickelt. Wer sich davon selbst überzeugen möchte, kann entweder im Geschäft in der Apostelnstraße einkaufen gehen, im von Balkhausen belieferten Laden (Habsburgerring 5) zuschlagen oder in den Top-Hotels in Köln frühstücken gehen. So bringt die Bäckerei zum Beispiel die Brötchen ins InterContinental. „Bei uns steht im Vordergrund das Produkt – und nicht die Einrichtung des Geschäfts“, sagt Balkhausen. Auch das ist wohl im Sinne Adenauers. Seine Erfindung (hier das Original-Rezept) rettete Köln im Ersten Weltkrieg vor einer Hungersnot. Die Kunst der Bäckerei Balkhausen bewahrt die Kölner Jahrzehnte später vor immer gleich und eher nach wenig schmeckendem Brot. (sar)

Bäckerei Balkhausen
Apostelnstraße 27
50667 Köln

Telefon: 0221 – 25 70 264

Öffnungszeiten
Montag-Mittwoch, Freitag
06:30-19:00
Donnerstag
06:30-20:00
Samstag
06:30-18:00

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