Einzigartig Einkaufen (75)

Kölner Restaurator baut originalgetreue Clubsessel

Mehr oder weniger zwei Zufälle und die Tipps von guten Freunden zur rechten Zeit haben dazu geführt, dass Robert Palgrave heute eine über die Kölner Stadtgrenzen hinaus bekannte Manufaktur führt. Er verkauft in seinem Atelier im Belgischen Viertel Clubsessel, originalgetreu hergestellt nach den Vorbildern der 1920 und 1930 Jahre.

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Der Diplom-Restaurator und -Konservator fertigt in Handarbeit aus Buchenholz und deutschem Rindsleder die legendären Sitzmöbel. Etwa vier bis fünf neu hergestellte Clubsessel verlassen durchschnittlich die Manufaktur von Palgrave, der einer der ersten in Deutschland war, der sich der Herstellung der Art-Déco-Klassiker nach dem originalen Vorbild widmete. Alte Original-Clubsessel werden von dem Spezialisten zudem liebevoll und fachkundig restauriert. 

Doch zurück zu den beiden Zufällen, die zur Gründung eines besonderen Kölner Geschäfts geführt haben. Zufall Nummer eins: Nach einer lukrativen Beschäftigung in New York als Restaurator will der gebürtige Kölner im Jahr 1998 wieder bei seinem früheren Chef im englischen Bath anfangen. Bis ein Freund ihm in einem Cafe von einem leer stehenden schmucken Laden im Belgischen Viertel erzählt. Die Idee der Selbständigkeit ist entstanden. Zufall Nummer zwei: Im Jahr 2000 ist Palgrave wie so oft in Frankreich unterwegs, auf der Suche nach antiken Möbeln – und entdeckt in Lille auf einem Händlermarkt alte Clubsessel. Noch unentschlossen rät ihm ein Freund: „Kauf die Dinger. Die sehen ganz nett aus.“

Die erstandenen Clubsessel waren schnell verkauft. Seitdem ist Palgrave zum Spezialist für die Restauration und Fertigung der voll gepolsterten Sessel geworden. In Zusammenarbeit mit einem Polsterer-Meister ist der gelernte Tischler und Absolvent des renommierten englischen West Dean Colleges dabei für den Rahmenbau und die Färbung des Leders zuständig. „Die Handfärbung ist im Laufe der Zeit mein Spezialgebiet geworden“, berichtet Palgrave und schwärmt von der sich dann durch Alterung entwickelnden Patina des Leders, die jeden Sessel zu einem Unikat macht. Ihre Entstehung wird durch die mit Schwämmen und Lappen aufgetragenen unterschiedlichen Farbnuancen unterstützt. „Das schwierigste beim Färben ist, zu verhindern, dass keine Läufe entstehen“, erklärt Palgrave. Dann könne der Sessel nur noch ganz dunkel gefärbt werden. Der Diplom-Restaurator verwendet Farben auf Wasserbasis, deren Töne je nach Kundenwunsch variiert werden – braun, mittelbraun, cognacfarben oder mit Rotstich.

Acht verschiedene Clubsessel-Modelle hat Palgrave im Angebot. Das nach seinem Hund benannte Modell „Amber“ ist das beliebteste. Aus den in den 1920er Jahren in Frankreich entstanden Grundmodellen hat Palgrave nach eigener Aussage die besten acht Varianten rausgezogen. Zu Beginn seiner Selbständigkeit hat der Kölner die antiken Original-Clubsessel beim Restaurieren vermessen und 1:1 nachgebaut. Seitdem werden sie in seinem Atelier und in einer Tischlerei, in der er sich regelmäßig einmietet, um die Sesselrahmen zu bauen, produziert. Neben den acht Modellen stellt Palgrave auch Clubsofas her. Einen Eindruck über die möglichen Sitzmöbel-Varianten können sich die Atelier-Besucher beim Blick auf die dort ausgestellten Sessel im Mini-Format verschaffen.

Der gelernte Tischler Palgrave, der schon während seiner Lehr- und Gesellenzeit nebenbei Möbel restauriert hat, ist überzeugt, dass die Clubsessel aus seiner Hand sogar eine bessere Qualität als die Original-Möbel aus den 1920er und 1930er Jahren haben. Palgrave verwendet zum Beispiel Synthetikwatte oder Latexflocken für die Füllung der Polster statt Afrik, das aus den Blättern einer afrikanischen Palme gewonnen wird und früher benutzt wurde, aber im Vergleich nicht so lange prall bleibt. „Beim Rahmenbau wurde früher zudem das verwendet, was eben da war“, schildert Palgrave. „Nach dem Motto: Was der Kunde nicht sieht, ist nicht so entscheidend. Beim Restaurieren habe ich schon einige spektakuläre Konstruktionen gesehen.“ Mit den heutigen modernen Maschinen lassen sich bessere, stabilere Rahmen-Verbindungen herstellen, so der Clubsessel-Spezialist. Die wichtigsten Materialien haben sich aber nicht geändert: hartes Buchenholz und unbehandeltes Rindsleder, das anschließend mit der Hand patiniert wird. (sar)

Palgrave Antiques
Clubsessel Restauration und Manufaktur
Limburger Straße 18
50672 Köln

Telefon: 0221 – 51 05 692

E-Mail: palgrave@t-online.de
Internet: www.clubsessel.de

Öffnungszeiten
Dienstag-Freitag
13:00-18:00
Samstag
11:00-14:00

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