Einzigartig Einkaufen (65)

Der einzige Korbmachermeister weit und breit

Etwa 30 bis 50 Korbmachermeister gibt es in Deutschland. Michael Steinberg in Köln ist einer von ihnen, der einzige weit und breit im Umkreis der Domstadt. „Es gibt nicht viele, die aus Korb und Rattan individuelle Anfertigungen und Designs anbieten“, sagt er.

Das individuelle Anfertigen nach Maß sei es auch was Steinberg besonders interessiere. Das sei schon seit dem dritten Ausbildungsjahr an der staatlichen Fachschule für Korbflechterei in Lichtenfels (Oberfranken) so, in dem es vor allem um Möbelbau gegangen sei. „Das Entwerfen von Sesseln und Sofas aus Weiden oder Rattan ist mein Steckenpferd“, sagt der Korbmachermeister. „Da sind so viele unterschiedliche Designs möglich.“

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 Woran erkennt man einen Korbmachermeister? An seinen kräftigen Händen. Das fällt gleich bei der ersten Kontaktaufnahme beim Besuch von koeln.de in der Werkstatt von Michael Steinberg auf. Der Korbmachermeister hat Finger, wie man sie vielleicht bei Ringern oder Masseuren vermuten würde. Von Kindheit an ist der gebürtige Berliner quasi mit dem Korbmachhandwerk verflochten. Bereits als Schüler hat er in der Werkstatt seines Vaters, mitgeholfen, Korbhenkel zu reparieren. Steinbergs Großvater? Ebenfalls Korbmachermeister. Ab 1970 besuchte Steinberg die staatliche Fachschule für Korbflechterei in Lichtenfels (Oberfranken). Nach bestandener Meisterprüfung führte er zunächst ein Werkstattgeschäft in Bad Kreuznach. Im Februar 2000 übernahm Steinberg dann das alteingesessene „Korbhaus Kiel“ (später "Korbstudio") am Kölner Mühlenbach als Zweigstelle zu seinem Bad Kreuznacher Betrieb.

Steinberg liebt das Korbflecht-Handwerk und die dabei verwendeten Materialien: vor allem Weiden und Rattan. „Das sind sehr vielseitige Materialien“, erklärt der Korbmachermeister. „Sie können in verschiedene Formen gebracht werden. Es gibt verschiedene Stärken.“ Ob Zauner-Geflecht, Kimmen, Fitzen oder Dreigeflecht: Zudem gibt es laut Steinberg diverse Flechttechniken, die zum Einsatz kommen. Nicht so gut zu sprechen ist er auf Leute, die sich einfach „als Korbmacher ausgeben". Es gebe viele, die sich ein paar Grundkenntnisse der Korbflechterei irgendwo abgeguckt haben und nun den Kunden die teilweise hochwertigen Möbel kaputt machen, in dem sie aufgrund mangelnden Fachwissens zum Beispiel auf Designer-Stühlen ein x-beliebiges Geflecht anbringen, das nicht dem Original entspricht, weil sie das Handwerk mit seinen vielen Flechttechniken überhaupt nicht beherrschen. "Um das falsche Geflecht einsetzen zu können, werden die Möbel oft sogar noch vom Grundaufbau her verändert, sprich manipuliert - besser gesagt zerstört.“ Zudem würden sie oft „unverschämte Preise“ nehmen. Steinberg: „Da ist sogar der Meisterbetrieb noch günstiger, besonders gemessen an einer fachlichen Instandsetzung.“

Mit dem Computer entsteht neue, alte Technik

Seine Kundschaft kommt in das 100 Quadratmeter große Geschäft (inklusive Werkstatt, Lager und Keller) laut Steinberg mit den unterschiedlichsten Wünschen. Leute, die einen Einkaufskorb suchen, genauso wie Interessenten für stylische Möbelmaßanfertigungen oder Kunden, die ihren Stuhl repariert haben möchten. Wenn Steinberg nicht gerade in seiner Werkstatt zum Beispiel Stühlen des bekannten Designers Michael Thonet ein neues Geflecht verpasst, entwirft er am Computer neue Möbel und Gebrauchsgegenstände aus Rattan und Weide, wie zuletzt unter anderem einen Tragekasten für Kaminholz. Neue Möbel-Entwürfe, wie zum Beispiel große Sofas, Schlafsofas, Sessel und Liegen lässt er dann in Italien herstellen. „Die Werkstätten dort sind dafür besser ausgestattet und können auch günstiger produzieren.“

Steinberg repariert übrigens auch die stark in Mode gekommenen Flechtmöbel, aus der hochwertigen, täuschend echt aussehenden Kunststoff-Flechtfaser. „Das ist dann immer noch Flechten“, erklärt der Korbmachermeister. Das besondere an dem von ihm ausgeübten Handwerk sei, dass es mit der Zeit gehe und die Mode mitmache. Steinberg: „Autos fahren heutzutage auch nicht mehr mit Vollgummireifen.“ Kunststoff ersetze die traditionell verwendeten Materialen nicht, die Steinberg in Bündeln aus Deutschland (Weide) und aus Asien (Rattan) bezieht. „Neue Materialien kommen einfach nur hinzu.“ Ein Besuch im Geschäft von Steinberg, der sein Wissen nicht nur schon in einem „Flecht-Crashkurs“ an Big-Brother-Kandidaten der ersten Staffel weitergab, sondern auch an Korbflechter in Laos und Kambodscha, lohnt sich. Neben mit der Hand gefertigten Körben und Möbeln gibt der Korbmachermeister interessante Hintergrundinformationen seines Handwerks weiter. Woher stammt zum Beispiel das Wort „Wand“? Steinberg: „Das kommt von ,gewunden', denn Wände wurden früher aus Zweigen und Weiden zunächst geflochten beziehungsweise gewunden, und die Zwischenräume wurden anschließend mit Lehm aufgefüllt.“ (sar)

Der Korbmacher
Mühlenbach 55
50676 Köln

Telefon: 0221 – 21 29 31

E-Mail: info@derkorbmacher.de
Internet: www.derkorbmacher.de

Öffnungszeiten
Montag-Freitag
10:00-18:00
Samstag
10:30-14:00

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