Einzigartig Einkaufen (12)
Die "Olivenhelden" aus Neu-Ehrenfeld
„Der nördlichste Olivenhain der Welt“, titelte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung in einem Artikel über die verrückten Ideen des Kölner Stephan Marzak, der in seinem einzigartigen Geschäft „Olive E Più“ in Neu-Ehrenfeld nicht nur Olivenöl verkauft und auch mal eben Olivenhaine in Köln anlegt. Geschäftsführer Marzak sieht ein „einmaliges Kompetenzzentrum in Sachen Olivenbaum“ in Köln entstanden. Die italienische Tageszeitung „Il Messaggero“ in Rom bezeichnete den Kölner als „Olivenhelden“ und brachte eine Geschichte über seine Firma – prominent neben einem Beitrag über den Berliner Zoo-Eisbären Knut platziert, bloß noch größer.Weitere Artikel aus unserer Reihe "Einzigartig Einkaufen"
In mehreren braun-orangen Pflanzkübeln wachsen sie auf dem kleinen Fahrradparkplatz vor dem Laden von Olive E Più in der Ennenstraße 2a in Köln Neu-Ehrenfeld. Bis zu drei Meter hoch sind die Olivenbäume, die Stephan Marzak auf eine sehr ungewöhnliche Idee brachten. Bereits seit 1995 verkauft Marzak in seinem Geschäft Oliven, Olivenöle, Wein, Grappa, Essige, Marmeladen und viele andere regionale Erzeugnisse aus Italien – wie es der Firmenname ausdrückt, gehören eben mehr Produkte als nur Oliven zu den angebotenen Waren. Die seit Jahren prächtig gedeihenden Olivenbäume vor den Geschäftsräumen und die Überlegung, wie die Firma Olivenöl in einmaliger Form seinen Kunden präsentieren könne, brachten Marzak auf die Idee, einen Olivenhain in Köln anzulegen.
Bildergalerie: So sieht es bei "Olive E Più" aus
Wenn die Olivenbäume vor der Ladentür in Neu-Ehrenfeld wachsen und auch den Kölner Winter überstehen, warum nicht auch den ersten Olivenhain im Rheinland anlegen? Die Olivenhain-Idee war geboren: 50 Olivenbäumchen pflanzte der gelernte Speditionskaufmann schließlich 2005 auf dem Gelände der Baumschule der Brüder Heinz und Michael Becker in Pulheim-Stommeln. Der Trick dabei: Marzak benutzte relativ kälteresistente und robuste Sorten: Leccino, Olivastra Seggianese und Pendolino aus der Toskana, Taggiasca aus Ligurien und Tonda Iblea sowie Biancolilla aus Sizilien. Insgesamt 110 Bäumchen, die in Abständen von etwa vier Metern gepflanzt wurden.
Obwohl seine Partner Marzak nach eigener Aussage erst einmal „den Puls gefühlt“ und „Angst vor einer Blamage“ gehabt hätten, überstanden die gepflanzten Olivenbäume den Winter und das erste Olivenblütenfest fand im Juni 2006 statt. Zwei Kilogramm Oliven wurden im ersten Jahr geerntet. Im November 2007 dann die erste richtige rheinische Olivenernte: 25 Kilogramm Oliven. „Über solche Mengen lachen Italiener“, erzählt Marzak. In Italien würden bereits Bäume im Vorgarten solche Erträge abwerfen. „Mit dem Olivenhain können wir kein Geld verdienen. Das ist einfach eine Spaßgeschichte", sagt Marzak und fügt hinzu: „Der profunde Erfahrungsschatz von Sortenauswahl, Anbau und Pflege bis zur Ernte und der Verarbeitung der Früchte ist für Deutschland einzigartig."
Nach Differenzen mit den Inhabern der Pulheimer Baumschule legte Marzak im Frühjahr 2008 einfach noch einen zweiten Olivenhain in Köln an. Dieses Mal auf dem Gelände der Baumschule La Cava in Widdersdorf. Mittlerweile gebe es laut Marzak einige Nachahmer. So sei auch in den Mosel-Weinbergen ein Olivenhain angelegt worden. Den inoffiziellen Titel „nördlichster Olivenhain der Welt“ muss Marzak damit wohl noch nicht abgeben – zumindest sind die beiden von ihm angelegten Haine wohl die ersten Olivenbaumwäldchen nördlich der Alpen.
Auf die Olive gekommen ist Marzak durch regelmäßige Urlaube im italienischen Ligurien, wo ihm die italienischen Olivenbauern stolz die Türen der Olivenmühlen geöffnet haben, so der „Olive E Più“-Geschäftsführer. „Wir haben lieb gewonnene Produkte der ligurischen Küche immer für unsere Familie aus den Urlauben mitgebracht und dann festgestellt, dass es diese in der gleichen Qualität nicht in Deutschland gibt – und wenn, dann waren diese sehr teuer“, berichtet Marzak. Das habe zu der Idee geführt, ein als Versand konzipiertes Einzelhandelsgeschäft zu gründen, das direkt bei den Produzenten einkauft – vor allem bei kleinen, familiär geführten Erzeugerbetrieben.
Die „Olivenöl-Szene“ sei in Italien so ausgeprägt, wie in Deutschland vergleichsweise die Bier-Landschaft, so Marzak. Obwohl Alt und Kölsch brautechnisch ähnlich hergestellt werden würden, würde man in Köln beinahe gesteinigt, wenn man das dunklere Bier bevorzuge. So ähnlich sei das in Italien mit dem Olivenöl. „Die Ligurer halten natürlich ihr Öl für das beste der Welt. Die Menschen in der Toskana sagen, die Ligurer hätten da keine Ahnung. Und die Sizilianer halten dagegen, dass es bei ihnen die ersten Olivenhaine in Italien gegeben habe.“ Lediglich fünf Prozent der „genussorientierten“ „Olive E Più“-Kunden, die zum Beispiel solche Hintergrundgeschichten zu den Ölen erfahren, stammen aus Köln und Umgebung, schätzt Marzak, der erklärt, dass er alle seine Produzenten persönlich kennt. Nur so könne er Olivenöl von „Champions-League-Produzenten zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis“ anbieten. (sar)
Olive E Più
Ennenstraße 2a
50825 Köln
Telefon: 0221 – 55 09 142
Fax: 0221 – 0221/550 98 78
E-Mail: mail@olive-e-piu.de
Internet: http://www.olive-e-piu.de
Öffnungszeiten
Montag-Freitag
9:00-17:00
Samstag
11:00-13:00
Weitere Informationen im koeln.de-Branchenführer
(Erstellt am 10. Februar 2010 - 14:09 Uhr; aktualisiert 25. November 2010 - 14:21 Uhr)
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