Ein Jahr Köln (8) - 23. Januar 2013

Vive l'amitié, oder: Echte Fründe stonn zesamme

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Ein Jahr Köln mit Edgar Franzmann - Do liss de an der Ääd
Nach 44 Jahren als Journalist und Autor geht koeln.de-Chefredakteur Edgar Franzmann Anfang Dezember 2013 in Rente, Anlass für die Kolumne „Do liss de an der Ääd!". Ein Jahr lang, immer mittwochs, erzählt Franzmann über „sein“ umwerfendes Köln. Lesen Sie heute die 8. Folge.

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Vor fünfzig Jahren besiegelten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle die deutsch-französische Freundschaft. Als "Franzmann" kann ich ein Lied davon singen, wie unglaublich wichtig das Ende dieser  "Erbfeindschaft" war - und immer noch ist.

Als Adenauer, der Bundeskanzler aus Köln, und de Gaulle, der General, der Frankreich gemeinsam mit den Alliierten von der Nazi-Besatzung befreit hatte, den deutsch-französischen Vertrag unterschrieben, war ich in Krefeld auf einem Gymnasium, das den Namen des deutschen "Freiheitsdichters" Ernst Moritz Arndt trug.

Arndt schrieb 1813, also vor genau zweihundert Jahren, das Gedicht "Des Deutschen Vaterland". Unser Deutschlehrer ließ uns die vielen Strophen auswendig aufsagen. Raten Sie mal, wer immer folgende Verse vortragen musste?

Das ist des Deutschen Vaterland,
Wo Zorn vertilgt den welschen Tand,
Wo jeder Franzmann heißet Feind,
Wo jeder Deutsche heißet Freund –
Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein!

Ich glaube, der Deutschlehrer mochte den "Franzmann" nicht. Ich mochte den Deutschlehrer nicht.

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Arndt agitierte damals gegen die Besatzung Deutschlands unter Napoleons Truppen. Auch Köln war von 1794 bis 1814 von den Franzosen besetzt. Napoleon, der Köln zweimal besuchte, nannte sie "eine der schönsten Städte Frankreichs".

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Die Franzosenzeit hat deutliche Spuren hinterlassen, nicht nur in Hausnummern und Funken-Uniformen, sondern auch in der Sprache. Noch heute nutzen wir viele französisch klingende Wörter, manchmal allerdings in einer Bedeutung, die es so in Frankreich gar nicht oder nicht mehr gibt.

Das kann zu amüsanten Missverständnissen führen. Bei einem Besuch in Frankreich war mir etwas kalt und ich bat um ein "Plumeau" oder "Plümmo", wie der Kölner sagt.

Mein Freund wunderte sich über diesen verrückten Deutschen und brachte einen Staubwedel, denn das ist die französische Bedeutung für "plumeau".

"Nein, ich meinte keinen Staubwedel, sondern eine zusätzliche Bettdecke."
"Oh, du möchtest eine Kuvertüre (couverture)?"
"Was soll ich mit einem Schokoladenüberzug im Bett?"
"Aber couverture heißt doch Bettdecke ..."
"Bei uns in Köln aber nicht ..."

Die Franzosen haben auch einige deutsche Wörter adoptiert, die wir so nicht wiedererkennen würden. Aus unserer Frage "Was ist das?" wurde das französische Wort "vasistas" mit der Bedeutung "Oberlichtfenster". Die Illustration zu "vasistas" stammt aus der französischen Wikipedia.

"Falsche Freunde" nennt man solche Begriffe mit Doppelbedeutung in der Sprachwissenschaft. Zum Glück waren wir echte Freunde, und das nicht nur, wenn wir gemeinsam sangen: Echte Fründe stonn zesamme ..."

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Ein Kölner war beteiligt, als die deutsch-französische Freundschaft auf die Probe gestellt wurde. Es war 1982 während der Fußball-WM in Spanien.

Ich war zu Besuch in Carqueiranne bei Toulon, im Wohnzimmer meiner Freunde sahen wir das Halbfinale Frankreich - Deutschland. "Wir" gewannen, aber nicht der Sieg ging in die Geschichte ein, sondern die Attacke des Kölner Nationaltorhüters und heutigen FC-Vize Toni Schumacher an Patrick Battiston.

Die Franzosen sahen in "Schümacker" die Wiedergeburt des hässlichen Deutschen. Jedenfalls ist dieses "Foul des Jahrhunderts" in die Geschichte eingegangen, wie folgendes Video beweist:

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Es gibt einen Kölner, den Deutsche und Franzosen gleichermaßen lieben, auch wenn sie nicht viel über ihn als Person wissen: Jacques Offenbach.

Offenbach, einer der Väter des ur-französischen "Can can", wurde am 20. Juni 1819 als Jakob Eberst in Köln geboren. Sein Vater, der jüdische Kantor Isaac Ben-Juda Eberst, änderte den Familiennamen später nach seiner Heimatstadt Offenbach am Main.

Jacques Offenbach ging schon 1933 nach Paris und schrieb unvergängliche Meisterwerke wie "Orpheus in der Unterwelt" und "Hoffmanns Erzählungen". Er bekam später die französische Staatsbürgerschaft und wurde Ritter der Ehrenlegion. Begraben liegt er auf dem Pariser Friedhof Montmartre.

Sie kennen "Can can" nicht? Dann schauen Sie das folgende Video mit Offenbachs "Can can" aus "Orpheus in der Unterwelt" unterlegt mit historischen Zeichnungen und Plakaten.

Vive l'amitié franco-allemande - es lebe die deutsch-französische Freundschaft!

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