Menschenstaus simuliert
Kölner Forscher entwickeln Warnsystem für Massenpanik
Um Unfälle durch Menschenstaus auf Großveranstaltungen wie zuletzt während der Loveparade 2010 in Duisburg zu verhindern, beteiligen sich Kölner Wissenschaftler von der Uni Köln am sogenannten "Hermes-Projekt". Hermes ist ein technischer Evakuierungsassistent, der kritische Stauungen vorhersagt. Am Samstag (24. September) wurden die Ergebnisse des Projekts vorgestellt.
Viele Menschen auf engem Raum und unkontrollierte Fluchtbewegungen verursachen in vielen Fällen Massenpanik. Um diese in Fussballstadien oder anderen Gebäudekomplexen zu verhindern, entwickelten Professoren der Uni Köln in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungseinrichtungen ein computergestütztes Frühwarnsystem.
"Hermes" ist in der Lage, die Fluchtwege zehntausender Menschen bis zu 15 Minuten im Voraus simulieren. Das System ist mit den Sicherheitsleuten der jeweiligen Einrichtung verbunden, um im Fall einer bevorstehenden Räumung, wie etwa bei einem Brand, den besten Fluchtweg für die Zuschauer ermitteln. Hermes liefert Stauprogrosen und berechnet automatisch den schnellsten und sichersten Weg nach draußen, auch wenn bestimmte Fluchtwege bereits blockiert sind.
Um Hermes zu testen, wurden in einem Viertel des Zuschauerraums der Düsseldorfer Esprit Arena rund 100 3D-Kameras angebracht. Diese registrieren jeden Besucher, der die Ein- und Ausgänge passiert. Ausgehend von diesen Daten simuliert die Software anschließend die weitere Entwicklung der Personenverteilung.
Als theoretische Grundlage zur Erstellung des Programms dienten den Wissenschaftlern physikalische Modelle aus der statistischen Physik und Vielteilchenphysik. "Die Modelle wurden ursprünglich entwickelt, um die Bewegung von Atomen und Molekülen in Flüssigkeiten und Gasen zu beschreiben, und dann an das Verhalten von Fußgängern angepasst", erklärt der beteiligte Kölner Physiker Prof. Andreas Schadschneider.
(Erstellt am 26. September 2011 - 12:09 Uhr; aktualisiert 14. November 2011 - 16:59 Uhr)
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