Protest gegen Bildungssystem
"Bildungsstreik": Studenten bekommen prominente Unterstützung
Die Proteste gegen das Bildungssystem gehen auch in Köln weiter: In Universität und Fachhochschule sind weiter Hörsäle besetzt. Dort organisieren die Studenten alternative Vorlesungen und erhalten dabei prominente Unterstützung - für Freitag hat sich Frank Schätzing angekündigt.
Bildergalerie: Bildungsstreik 2009
"Bildung zwischen Anpassung und Widerstand" heißt das Seminarprogramm, bei dem am Donnerstagmorgen etwa 250 Studierende über die Entwicklung des deutschen Bildungssystems debattieren. Im Vordergrund steht dabei allerdings eher Widerstand als Anpassung: Die Aula der humanwissenschaftlichen Fakultät der Kölner Universität bleibt weiter besetzt. Am Dienstag hatten etwa 1000 Studierende versucht, erneut die Aula 1 der Universität zu besetzen, die am Freitag von der Polizei geräumt worden war (koeln.de berichtete). Weil der Zugang versperrt wurde, wichen die Protestler schließlich in die Aula der humanwissenschaftlichen Fakultät aus, die sie seitdem besetzt halten.
Die Leitung des Fachbereichs habe sich gegen "Polizeiaktionen bei friedlichen Protesten" ausgesprochen und die Räumlichkeiten für eine Woche zur Verfügung gestellt, heißt es vom "Arbeitskreis Bildungsstreik", der die Protestaktionen in der Domstadt koordiniert. Bereits seit dem 19. November halten auch Studierende der Kölner Fachhochschule einen Raum besetzt. Dort zeigte sich am Mittwoch das Kabarett-Duo "Mitternachtsspitzen" solidarisch mit den über 300 Protestierenden und hielt eine Vorlesung mit kabarettistischen Darbietungen ab. Weitere prominente Unterstützung hat sich bereits angekündigt: Am Freitag will Bestseller-Autor Frank Schätzing zu den Studierenden sprechen.
Die Besetzungen in Köln sind Teil der bundesweiten Protestaktionen. Unter dem Motto "Bildungsstreik 2009" werden bundesweit Räume in 68 Lehranstalten von Auszubildenden, Schülern und Studierenden besetzt gehalten. Während sich Schüler unter anderem gegen Kopfnoten stark machten, lehnten die Studenten erneut Studiengebühren ab. Zudem prangerten die angehenden Akademiker überlastete Studiengänge, Unterfinanzierung der Universitäten sowie Mängel bei der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge an. Bildung müsse mit öffentlichen Mitteln finanziert werden. Eine "Einflussnahme der Wirtschaft" auf das Bildungssystem dürfe es nicht geben. Aktuelle Nachrichten aus den besetzten Hörsälen verbreiten die Protestler auch über das Microblogging-Tool Twitter unter dem Suchbegriff #koelnbrennt, unter www.bildungsstreik-koeln.de wird über alternative Veranstaltungen informiert.
Angesichts der Studentenproteste haben sich die Rektoren der NRW-Hochschulen auf erste Konsequenzen verständigt. Es solle überprüft werden, ob Studiengänge «stofflich überladen» sind, teilte das Wissenschaftsministerium am Donnerstag in Düsseldorf mit. Geprüft werden solle auch, «ob auf einzelne Prüfungselemente sowie nwesenheitsverpflichtungen verzichtet werden kann, ohne das Gesamtqualifikationsziel zu beeinträchtigen». Auch Prüfungsformen und der Praxisbezug der Studiengänge werden untersucht.
«Wir wollen eine umfassende Bestandsaufnahme. Eine erste Bilanz soll zum Ende des Wintersemesters gezogen werden», sagte Axel Freimuth, Rektor der Universität Köln und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz, laut Mitteilung. Zuvor hatten die Rektoren mit Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) beraten.
Bildergalerie: Bildungsstreik 2009
Zudem haben sich die Universitäten den Regierungsangaben zufolge verpflichtet, ihre gewachsenen finanziellen Spielräume zu nutzen, um künftig verstärkt zusätzliches Lehrpersonal einzustellen. «Die Verbesserung der Betreuungsrelation berührt den Kern hochwertiger Lehre. Mit den Mitteln aus dem Hochschulpakt und den Studienbeiträgen ist hinreichend Geld für einen spürbaren Aufwuchs der Dozentenstellen vorhanden», sagte Pinkwart. Der Wissenschaftsausschuss des Düsseldorfer Landtags berät am Donnerstagnachmittag über die seit Wochen laufenden Studentenproteste gegen die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge. (fr, ddp)
(Erstellt am 26. November 2009 - 11:01 Uhr; aktualisiert 26. November 2009 - 15:54 Uhr)
Schon gelesen?
Vorheriger Artikel: Nur jedes 100. Kind soll zur Hauptschule









Kommentar hinzufügen