Neuer Intendant holt große Stars zurück
Kölns Oper will in die Champions League
Kölns neuer Opern-Intendant Uwe Eric Laufenberg hat große Ziele: Er will zurück in die Champions League. Wie er das anstellen will, erläuterte er auf seiner ersten Spielplan-Pressekonferenz.
Von EDGAR FRANZMANN
Die Bedingungen für einen Neustart sind schwierig. Kölns Oper ist seit Jahren mehr im Gerede als im Gespräch, viele Aufführungen waren schlecht bis umstritten, das Bauwerk selbst ist verrottet und nur noch eine Spielzeit nutzbar. Danach wird das Haus am Offenbachplatz für drei Sanierungs-Jahre geschlossen, Kölns Oper zieht übergangsweise ins Palladium nach Köln-Mülheim und geht außerdem auf Wanderschaft quer durch die Stadt.
Mit der letzten Spielzeit im alten Haus, die gleichzeitig seine Premieren-Spielzeit in Köln ist, will der neue Intendant Uwe Eric Laufenberg Publikum und Kritiker möglichst in Scharen locken und auf kommende große Zeiten einstimmen.
Sein Rezept:
1. Das Beste aus dem Repertoire der großen Kölner Vergangenheit noch einmal zeigen, am besten auch mit den großen Stars von damals.
Tatsächlich ist es Laufenberg gelungen, Stars wie Kiri Te Kanawa, Matti Salminen und sogar René Kollo für Köln zu verpflichten. Laufenberg: "Kollo wird hier einen verrückten Alten singen. Das wird großartig. Er hat sich sehr über den Anruf aus Köln gefreut."
2. Die besten aktuellen Sängerinnen und Sänger der Welt in Köln präsentieren, auch dann, wenn sie nicht die komplette Spielzeit durchsingen können, sondern nur einige Aufführungen. So wird man in der Hauptrolle der "Carmen" gleich drei Sängerinnen erleben: Vesselina Kasarova (1mal), Rinat Shahan (6mal) und Nora Sourouzian (4mal). Alle drei sind herausragende Carmen-Darstellerinnen, aber die Kasarova ist eben noch ein bischen größer.
Wenn man das mit dem Fußball vergleicht, wäre das ungefähr so, als ob der 1. FC Köln für ein Top-Spiel Ronaldo von Manchester ausleiht, dann viermal mit Messi von Barcelona antritt, ehe dann Luca Toni von Bayern München für den Rest der Saison zum Einsatz kommt.
3. Den besten Nachwuchs präsentieren, der von Köln aus eine internationale Karriere antreten soll. Ein Beispiel dafür ist der junge Marco Jentzsch, der in Köln seinen ersten Wagner singen wird und der in Berlin bereits als "der neue Superstar am Opernhimmel" gefeiert wurde.
4. Dem Publikum die Stücke näher bringen. Eine halbe Stunde vor jeder Aufführung wird es eine 15-minütige Einführung in den Abend geben. Der Intendant geht da mit gutem Beispiel voran.
5. Die Kinder für die Oper begeistern durch spezielle Programme und offene Workshops, ein besonderes Anliegen der neuen Operndirektorin Birgit Meyer, die aus Wien nach Kön wechselt, ihre Geburtsstadt.
Auch Uwe Eric Laurfenberg ist ja gebürtiger Kölner, dem man den Spaß ansieht, den er verspürt, die Oper seiner Heimatstadt nach vorne zu bringen. Die erste Premiere am 20. September inszeniert er selbst, das Stück ist Programm: Wagners "Meistersinger". Als Hans Sachs konnte Robert Holl verpflichtet werden, auch die anderen Rollen sind mit hochkarätigen Wagner-Spezialisten besetzt. Da gab es in Köln zuletzt ja hörbare Schwächen.
Dass der neue Opern-Chef auf besondere Stimm-Qualität setzt, freut auch Kölns Generalmusikdirektor Markus Stenz, der die musikalische Leitung bei den "Meistersingern" hat: "Das Gürzenich-Orchester wird für die neue Opernspielzeit sogar auf andere Termine und Plattenaufnahmen verzichten. Wir wollen hier gemeinsam neue Begeisterung entfachen. Ich bin ein Fan der neuen Mannschaft."
Ein Start mit "Meistersinger", und dann Stück für Stück weiter nach oben, um "national wie international dauerhaft konkurrenzfähig" zu sein, so das von Kulturdezernent Quander definierte Ziel. Kölns Oper demnächst wieder in der Champions League, das Publikum darf sich freuen.
Das Programm ist vielversprechend, trotzdem bleibt es bezahlbar. Die Preise beginnen weiterhin bei 10 bzw. 15 Euro, es wird aber mehr Veranstaltungen mit teuren Karten bis zu 90 Euro geben. Laufenberg: "Wenn Sie bisher 70 Euro bezahlt haben und waren unzufrieden, dann ist es doch besser, Sie zahlen 90 Euro und sagen hinterher: So etwas Tolles habe ich noch nie gehört. Ohne diesen Aufschlag auf den teuersten Plätzen könnte ich die Spitzensänger nicht bezahlen. Aber Sie alle werden den Unterschied hören."
Nach Abschluss der Spielzeit ist Kölns Opernhaus mit der Neuinszenierung von Wagners "Ring" zur Weltausstellung nach Shanghai/China eingeladen. Laufenberg: "Das wird die größte Weltausstellung aller Zeiten mit 70 Millionen Besuchern. Und wir können Köln dort vertreten. Es wäre leichtfertig, ja es wäre dumm, wenn wir diese Chance nicht nutzen dürften."
Vor die China-Reise hat die Gemeindeordnung eine Abstimmung durch den Kölner Stadtrat gelegt. Der hatte im ersten Durchgang die Zustimmung verweigert. Laufenberg: "Ich hoffe sehr, dass diese Entscheidung aufgehoben wird. Ich glaube, es war gar nicht klar, dass wir kein neues Geld von der Stadt wollen, wir wollen nur aus unseren selbst erwirtschafteten Mitteln eine Finanzierungslücke absichern. Ich bin zuversichtlich, dass wir die China-Reise komplett durch Dritte finanziert bekommen, China zahlt bereits eine Million, für den Rest stehen wir in guten Gesprächen mit Sponsoren."
(Erstellt am 30. April 2009 - 13:29 Uhr; aktualisiert 30. April 2009 - 15:56 Uhr)
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