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Klöppel besteht Probe

"Decke Pitter" im Dom läutet wieder

Köln (dapd-nrw). Die größte frei schwingende Glocke der Welt hat ihre Stimme zurück: Nach fast einem Jahr Stille demonstrierte der "Decke Pitter" im Kölner Dom erstmals wieder seinen satten Klang.

Der neue Klöppel der Glocke schlug beim etwa fünfminütigen Probeläuten am Mittwoch mehrmals kräftig zu. "Wir sind alle hochzufrieden", sagte Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner. Der Ton und das Läuten seien aber noch nicht optimal. Der alte Klöppel war im Januar unerwartet gebrochen.

Zum Video: Der "Decke Pitte" läutet wieder

Das Stahlstück war bereits 57 Jahre im Einsatz und hatte der Materialermüdung nicht mehr standgehalten. Eine niederländische Spezialfirma montierte nun den neuen, rund 600 Kilogramm schweren und etwa 3,20 Meter langen Klöppel im südlichen Turm des Doms.

Beim Probeläuten war der Klöppel feierlich mit Tannengrün behangen. Ein mechanischer Antrieb brachte den Klöppel und die Petersglocke in Schwung. Bei jedem Schlag vibrierte im hohen Turm der Boden. Die zahlreich erschienenen Journalisten mussten Ohrenschützer tragen. Auf dem Domplatz verfolgten Dutzende Schaulustige das Spektakel. Bei einer Messe am Abend sollte die neue Vorrichtung offiziell eingeweiht werden.

"Er schlägt noch nicht ganz gleichmäßig", sagte Schock-Werner. "Damit haben wir gerechnet." Techniker sollen den funkelnden Klöppel in den kommenden Tagen fein einstellen. Möglicherweise muss er höher oder tiefer gehangen werden.

Der alte und rund 200 Kilogramm schwerere Klöppel war beim Feiertagsläuten zum Dreikönigstag nach fünf Schlägen abgebrochen und in die Glockenstube gefallen. Verletzt wurde niemand.

Am neuen Klöppel waren mehrere Firmen beteiligt: Ein Unternehmen aus Siegen stellte den Stahl zum Schmieden zur Verfügung. Ein Betrieb in Pfinztal-Kleinsteinbach bei Karlsruhe fertigte das Stahlstück an und niederländische Spezialisten waren für die Montage verantwortlich.

Die 24 Tonnen schwere Petersglocke besteht aus Bronze und läutet seit 1925 im Kölner Dom. Sie erklingt in einem tiefen C und bildet damit die Basis für den feierlichen C-Dur-Akkord.

Stichwort: Die Petersglocke im Kölner Dom 

Die Petersglocke im Südturm des Kölner Doms ist das Prunkstück unter den zwölf Glocken im Domgeläut. Mit 3,20 Metern Höhe und 3,22 Metern Breite gilt sie als größte frei schwingende Glocke der Welt. Während zu den täglichen Messen andere Glocken in Gang gesetzt werden, läutet die Petersglocke mit ihrem tiefen C-Ton nur an hohen kirchlichen Feiertagen wie Heiligabend, Pfingsten und Allerheiligen. Aufgrund ihrer Größe und eines Gewichts von 24 Tonnen wird die Glocke von den Kölnern liebevoll "Decke Pitter" genannt.

Die Geschichte der Petersglocke reicht bis in das Jahr 1921 zurück. Damals regte der Zentral-Dombau-Verein den Guss einer neuen Glocke an. Sie sollte die Kaiserglocke ersetzen, die im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden war. Unterstützung für das Projekt kam unter anderem vom damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Im Mai 1923 begann die thüringische Glockengießerei Ulrich mit den Arbeiten.

Nach anderthalb Jahren und zeitweiligen finanziellen Schwierigkeiten erreichte die fertige Glocke im November 1924 den Kölner Hafen. Von dort aus wurde das tonnenschwere Geläut auf einem Tieflader zum Dom transportiert. Da die Glocke nicht durch die 1,84 Meter breiten Türen des Gotteshauses passte, musste der Mittelpfeiler des Hauptportals ausgebaut werden. Der anschließende Transport in den Glockenstuhl in 53 Metern Höhe dauerte mehrere Wochen. Als sie an Heiligabend 1924 zum ersten Mal läutete, verstummte sie bereits nach drei Schlägen - das Seil der Läutemaschine war gerissen. Erst nach monatelangen Arbeiten gab es am 10. Oktober 1925 ein feierliches Geläut mit allen Domglocken.

(Erstellt am 8. Dezember 2011 - 8:57 Uhr; aktualisiert 8. Dezember 2011 - 9:12 Uhr)


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