Stunksitzung 2012

Claudia Roth badet mit Angela Merkel

Je lauter die Beifalls-Rakete des Publikums, um so mehr Energie wird erzeugt, um so heller die Saalbeleuchtung: In diesem Jahr laden die Stunker zur ersten „ökologischen Karnevalssitzung“. Da kriegen die Banker ebenso ihr Fett weg wie die nicht minder geldgierigen Kleinanleger, kölsche Klüngel- und Betrügerkönige, Politiker, grüne Eltern, schwarze Politiker und der Traditionskarneval. Langer Beifall vom Premierenpublikum am Mittwochabend im E-Werk.

Von Jürgen Schön 

Wer kann länger tauchen? Und wo ist überhaupt das Wasser? Bundeskanzlerin Angela Merkel und Grünen-Chefin Claudia Roth streiten sich in der Badewanne wie die Herren Kloebner und Müller-Lüdenscheid im legendären Loriot-Sketch. Die Hommage an den in diesem Jahr verstorbenen Satiriker ist nicht nur optisch eine der Glanznummern in der Stunksitzung zur Session 2012. Und groß die Überraschung und das Vergnügen, als dann auch noch Merkels Ehemann Joachim Sauer auftaucht und seine Angela an die ehelichen Pflichten erinnert.

Mit selbstbewussten Freiwilligen, die ständig mit ihrer Kündigung drohen, muss die Bundeswehr kämpfen, nachdem die Wehrpflicht aufgehoben wurde. Mit Befehlen ist da gar nichts zu machen, da müssen schon begründete Alternativen genannt werden: Und beim Italiener essen ist allemal besser als mit einem steinebeladenen Rucksack zur Kaserne zu kriechen oder den Arsch aufgerissen bekommen. Vor allem aber: Nicht das Zauberwörtchen „bitte“ vergessen!

Ballett auf Segways

Mit einem atemberaubenden Ballett auf Segways lassen die zehn Karnevalskabarettisten die Mobilitätsentwicklung der Menschheit Revue passieren. Das elektrische „Zweirad“ mit der Lenksäule war schon das Fortbewegungsmittel für Jesus, als er mit dem Kreuz auf der Schulter gen Golgatha fuhr. Feinste Luftseilakrobatik boten die „Mariechen“: Von der Schwerkraft befreit, wagten sie die wagemutigsten Tanzfiguren. Alles perfekt – lediglich ein poetisch geplanter Ausflug ins Museum scheiterte an den Tücken der (Licht-)Technik.

Dass die offiziellen Traditionsjecken, seit 1984 und auch in dieser Ausgabe der Lieblingsfeind der Stunker, inzwischen nicht mehr so engstirnig sind, geben die Stunker gerne zu. Doch haben sie noch manche Idee auf Lager, den Karneval populärer zu machen, etwa für die des Kölschen nicht mächtigen Touristen. Bei den Übersetzungsübungen las das Publikum begeistert die Worttafeln mit: „ham“ – „cher“ – „blowed“ – „wash“ ergibt danach nicht anderes als „Hämmcher“ und „Blodwoosch“. Leg-air-mad-share sind Kölns „lecker Mädcher“. Und was ist dann brow-who‘s-under-egg?

Die Lucky-Raki-Lady

Routiniert führte Sitzungspräsidentin Biggi Wanninger durch die über drei Netto-Stunden dauernde Mischung aus Kabarett, Satire, Klamauk, Kalauer, Artistik und Musik. Die Hausband „Köbes Underground“ sorgte auch im 27. Jahr mit ihren eingekölschten Coverversionen für Stimmung und Mitsinglaune. Bandchef Ecki Pieper glänzte nicht zuletzt als Franz- Josef Degenhardt mit dem Song „Geh nicht zu den Roten Funken, sing nicht ihre Lieder...“ Und der kölsche Türke Özan Akhan besang mit seinem neuen Partner Yavuz Duman als „Modern Türking“ die Lucky-Raki-Lady. Unterm Strich hohe Qualität, wenn auch im Vergleich zum vorigen Mal die ganz herausragenden Nummern fehlten.

Offiziell sind alle Stunksitzungen bis zum Karnevalsdienstag am 21. Februar ausverkauft. Doch gibt es auf www.stunksitzung.de die Rubriken Kartentauschbörse und Last-Minute-Tickets. Vielleicht hat man da ja Glück, doch noch eine Karte zu erwischen.

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