Museum Ludwig
Eine "Weiche Toilette" für die Besucher der Claes-Oldenburg -Ausstellung
Köln (dapd-nrw/kb). Wer an einem Kunstwerk von Claes Oldenburg vorbei möchte, muss sich ducken oder zur Seite weichen: Wuchtige, metergroße Stromstecker ragen von der Decke in den Eingang zur neuen Ausstellung "Claes Oldenburg - The Sixties". Skulpturen von alltäglichen Gegenständen vom Stromstecker über den Aschenbecher und der Toilette bis zum Lippenstift machten Oldenburg berühmt. Das Museum Ludwig in Köln zeichnet mit der bisher umfangreichsten Schau den Werdegang des Pop-Art-Künstlers nach.Rund 250 Arbeiten, die er zwischen den späten 1950er bis Mitte der 1970er Jahre geschaffen hat, werden ab Samstag, 23. Juni präsentiert. Skulpturen, Installationen, Kurzfilme, Fotoaufnahmen und Zeichnungen unterstreichen diese stilprägende Phase des in Stockholm geborenen Künstlers.
Oldenburg in Köln
Zur Eröffnung der Ausstellung besucht der Künstler, mittlerweile stolze 83 Jahre alt, die Domstadt. Und feiert dabei gleichzeitig auch ein Wiedersehen mit einem seiner ältesten Freunde. Museumsdirektor Kasper König, der selber in Kürze in den Ruhestand gehen wird, war mit 23 Jahren als Kurator für das legendäre Mouse Museum Oldenburgs tätig, das auch Teil der Ausstellung ist.
Zu sehen gibt es hier immer wieder die Eistüte - ein sehr beliebtes Thema des Künstlers, das auch dem gemeinen Kölner bekannt sein dürfte. Von Oldenburg stammt das zehn Meter große Eishörnchen, das hoch auf der Neumarkt-Galerie thront. "Gerne hätte ich der ganzen Stadt Eistüten übergezogen, aber leider war das aus finanzilellen Gründen nicht möglich", feixte der "Großvater der Pop Art" bei der Eröffnungspressekonferenz. Denn zunächst sollen zwei Eistüten geplant gewesen sein - angelehnt an den Kölner Dom mit seinen zwei Turmspitzen.
Größte Ausstellung Oldenburgs der 50er bis 70er Jahre
Die aktuelle Schau ist die größte ihrer Art und war zuvor schon in Wien zu Gast. Nach Köln (bis 30. September) wandert sie weiter nach Bilbao und anschließend ins New Yorker Museum of Modern Art. "Ohne uns wäre diese Ausstellung nicht möglich gewesen, weil wir der größte Leihgeber sind", betont König, dessen Haus berühmt ist für seine umfangreiche Pop-Art-Sammlung. Noch nie gab es so viele Werke Oldenburgs der 50er bis 70er Jahre auf einen Fleck zusehen.
GalerieDie Retrospektive ist in fünf Abteilungen unterteilt. "Die Werke hängen an der Decke, an der Wand, liegen am Boden - Die Ausstellung zeugt von der Dynamik von Oldenburgs Kunst", so Kurator Achim Hochdörfer. Den Beginn macht "The Street", eine Sammlung von Figuren aus Pappe, mit denen Oldenburg das trostlose Leben von Obdachlosen und Prostituierten in Manhattan dokumentiert. Eine abstrakte Figur kauert sitzend an einer Wand, Frauen tragen hochhackige Schuhe - die braunen, schmutzigen Farben wirken bedrückend.
Hamburger und Staubsauger
Ganz im Gegenteil zur Reihe "The Store" (1961), eine Sammlung von Kleidung und Speisen, wie man sie in einem üblichen Laden ersteigern kann. Hier geht es bunt zu: Da hängt ein klobiger Anzug, aus zwei überdimensionalen Hamburgern quillen die Frikadelle und der Salat heraus und eine Kasse steht vollkommen schief auf dem Tresen.
In "The Home" kippt ein Medizinschrank nach vorne. Daneben steht ein lebensgroßer Staubsauger. Und ein Ventilator lässt die Flügel hängen. Selbst der Badewanne, dem Waschtisch und dem WC hat sich der inzwischen 83-jährige Oldenburg gewidmet. So banal wie die Auswahl der Gegenstände sind auch die Namen: "Soft toilet" (Weiche Toilette), "Spoon in Egg" (Löffel im Ei) oder "Sausage" (Wurst) heißen seine Arbeiten lapidar.
Arbeiten mit Millionenwert
Einfachheit war die Methode der Pop-Art um Oldenburg, Andy Warhol und Roy Lichtenstein: Kunst vom hohen Ross holen und populär, lebensnah machen. Dafür traten sie in den 1960ern ein. Heute werden ihre Werke gefeiert und auf dem Kunstmarkt für Rekordsummen versteigert.
Ein Höhepunkt der Ausstellung ist das Mouse Museum, eine zehn mal neun Meter große schwarze Box, die bereits 1972 auf der Documenta zu sehen war. Hier hat Oldenburg 385 skurrile Gegenstände gesammelt - vom Kugelschreiber in Form eines Frauenbeins bis zur übergroßen Zahnbürste - und in Vitrinen deponiert.
(Erstellt am 21. Juni 2012 - 16:50 Uhr; aktualisiert 21. Juni 2012 - 21:26 Uhr)
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