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Vor 5 Jahren Grabungsbeginn

Über 250.000 Fundstücke in Archäologischer Zone entdeckt

Von Fabian Wahl

Köln (dapd-nrw). Von einer der ältesten europäischen Synagogen bis zum verkohlten Zeitungspaket aus dem Zweiten Weltkrieg: Fünf Jahre nach Beginn der Ausgrabungen in der Kölner Altstadt sind zwei Drittel des Areals freigelegt.

Bisher wurden in der sogenannten Archäologischen Zone mehr als 250.000 Fundstücke entdeckt, wie Grabungsleiter Sven Schütte der Nachrichtenagentur dapd sagte. Bis Ende 2015 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Spätestens Anfang 2016 sollen die Funde in dem geplanten Ausstellungsgebäude mit integriertem Jüdischem Museum präsentiert werden.

Die Arbeiten in der sogenannten Archäologischen Zone laufen seit August 2007. Seitdem wurde ein komplettes jüdisches Stadtquartier mit der ältesten Synagoge nördlich der Alpen (vor 800 errichtet) und einer Mikwe gefunden. Neben dem Viertel aus Mauerresten, Ruinen und schmalen Gassen waren die Wissenschaftler auch auf einen römischen Statthalterpalast aus dem 4. Jahrhundert gestoßen. Die jüdische Gemeinde in Köln gilt als die älteste nördlich der Alpen und war laut Schütte bereits um 320 bedeutend.

Der Bau des Museums soll noch im Herbst beginnen, wie Schütte sagte. "Wir machen gerade das Baufeld frei, und dann können die Bohrpfähle gesetzt werden." Das neue Museumsgebäude, das als Überbau für die bereits bestehende Ausgrabungsstätte dient und eine reine Ausstellungsfläche von 7.500 Quadratmetern erhält, kostet rund 52 Millionen Euro. Davon trägt die Stadt 37,5 Millionen Euro, den Rest übernimmt das Land.

"Der Fundus reicht von der Römerzeit bis nach den Zweiten Weltkrieg", sagte Schütte. "Es ist ein Gang durch 2.000 Jahre Stadtgeschichte." Die Fundstelle sei in Europa derzeit einzigartig. "Wir haben hier die gesamte Infrastruktur des jüdischen Viertels: Die Männersynagoge, die Frauensynagoge, die Mikwe, das Hospital, das Fest- und Tanzhaus, die Bäckerei, das Warmbad und die ganzen Wohnhäuser", sagte der Direktor der Archäologischen Zone. Bei vergleichbaren Ausgrabungen wie in Prag und Amsterdam werde nicht soviel gefunden und die Quartiere seien weitaus jünger.

Mehr als 200 umfangreiche Schriftstücke seien entdeckt worden, darunter der weltweit älteste literarische Text in Jiddisch. Dieser Ritterroman sei in hebräischer Schrift auf einer Schiefertafel geschrieben, die Sprache sei aber mittelhochdeutsch. Der Text sei vor dem Pestpogrom gegen die jüdische Gemeinde 1349 entstanden und damals mit verbrannt.

Reste aus dem 1. Jahrhundert

"Die ältesten Funde gehören in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts", sagte Schütte. Dazu zählte er aufwendige Mauerzüge einer Ubierstadt, die damals den Hang zum Rhein abstützen sollten. Das jüngste Exemplar sei dagegen ein Streichholzetui aus Kunststoff, das an der Grabungsstelle bereits 1956 gefunden worden sei. "Wir zählen schon gar keine Tierköpfe oder jede Scherbe mehr. Das wären Hunderttausende."

Die Archäologische Zone ist nicht die einzige Grabung in der Domstadt. Die Arbeiten an einer neuen U-Bahn-Strecke waren im Frühjahr nach zehn Jahren beendet worden. Dort stießen die Forscher auf 2,5 Millionen Fundstücke, darunter Zeugnisse des römischen Hafens, von Tempelanlagen, Festungswerken aus dem Mittelalter und preußischen Grabenwerken.

(Erstellt am 1. August 2012 - 13:31 Uhr; aktualisiert 2. August 2012 - 8:08 Uhr)


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