Skulpturenpark feiert Neueröffnung

"Besucher sollen sich ihre Sichtachsen selbst erschließen"

Am Sonntag, den 15. Mai, wurde unter dem Titel "KölnSkulptur #6" die sechste Neuinszenierung von Außenskulpturen im Kölner Skulpturenpark eröffnet. Unter den 3.300 Besucher war auch OB Jürgen Roters, der in einer Rede die Bedeutung des Sklupturenparks für Köln würdigte. In dem folgenden Interview erläutert der Kurator Dr. Friedrich Meschede das Konzept des deutlich erweiterten Parks.

Dr. Friedrich Meschede war von 1989 bis 1992 Direktor des Westfälischen Kunstvereins, Münster und übernahm danach für 16 Jahre die Leitung des internationalen Künstlerprogramms des DAAD in Berlin. Von 2008 bis Anfang 2011 war er der Leiter zeitgenössischer Ausstellungen im Museu d’Art Contemporani, Barcelona. Zur Zeit kuratiert er mehrere Ausstellungsprojekte aktueller Kunst in Deutschland. Im März 2011 wurde er mit Wirkung zum 1. Juli 2011 zum künstlerischen Direktor und Geschäftsführer der Kunsthalle Bielefeld bestellt.(Foto: Tom Koesel)

Herr Dr. Meschede, wechselnde Kuratoren sollen beginnend mit der aktuellen KölnSkulptur #6 für einen Zeitraum von jeweils zwei Jahren für die Inszenierungen im Skulpturenpark Köln verantwortlich zeichnen. Wie ist es zur Zusammenarbeit mit der Stiftung Skulpturenpark Köln gekommen, was reizt sie als international agierender Kurator und neuer Leiter der Kunsthalle Bielefeld an dieser Aufgabe?

Ich bin mit der Stiftung Skulpturenpark Köln durch Postkarten, die Kasper König (Direktor des Museum Ludwig, Anm.d. Redaktion) mir und Herrn Stoffel (von der Stiftung Skulpturenpark Köln, Anm. d. Redaktion) geschickt hat, zusammengebracht worden. Herr Stoffel hat sich bei Herrn König Rat geholt, bezüglich der Frage, wer als Kurator für die KölnSkulptur #6 in Frage kommt und daraufhin haben wir beide ein paar Postkarten erhalten mit der Bitte, uns miteinander in Verbindung zu setzen.

Die eine Postkarte liegt hier, eine typische König-Postkarte mit Hans Peter Feldmanns „David“ - wir wollen diese Karte auch für den Katalog verwenden.

An der Aufgabe reizt mich, dass ich meine Leidenschaft für Skulptur in ein Projekt münzen kann. Ausgehend von meiner Promotion über Ulrich Rückriem, der ja hier im Park schon immer mit einer Arbeit vertreten ist, hat mich die Kunst dreidimensionaler Formen und Ihrer Gestaltung immer interessiert.

Neue künstlerische Positionen in einen Bestand von fast 30 präsentierten Arbeiten zu integrieren, stelle ich mir deshalb schwierig vor, weil zwischen den Arbeiten ja schon ein ausgewogenes Spannungsverhältnis besteht und durch neue Positionen dieses dialogische Miteinander aufgehoben und verändert wird. Wie muss man sich den Entstehungsprozess des jetzt erweiterten Konzeptes vorstellen, nach welchen Kriterien wurden die Künstler für KölnSkulptur  ausgewählt?

Ich habe mich für Künstler interessiert, die in ihrer Arbeit eine Faszination für Material und dessen Bearbeitungsprozesse zum Ausdruck bringen. Ich bin der Auffassung, dass Skulptur an sich ein künstlerisches Medium ist, das von Widersprüchen gekennzeichnet ist, weil es an sehr traditionelle handwerkliche Momente gebunden ist und trotz aller Innovationen in der Kunst noch nicht ausgestorben ist. Neuere Positionen die mich interessiert haben, kombinieren minimalistische Formensprache mit einem Aspekt von Erzählung. Wie z.B. der Findling mit einem Fell von Johannes Wald, der umgearbeitete Container von Sofia Hultén oder die Terrakotta-Skulptur von Katinka Bock, die jetzt noch aus ungebrannter Tonerde besteht aber hier vor Ort im Herbst zu einer Keramik gebrannt wird, die die bis dahin durch Witterungseinflüsse gewordene Form endgültig fixiert.

Der Umgang mit den vorhandenen Skulpturen wurde durch das Konzept von Florian Slotawa eindrucksvoll eingelöst, indem die wesentlichen Wahrzeichen des Skulpturenparks zu einer so genannten „Kölner Reihe“ zusammengestellt wurden.

Die Aufbauphase eines solch umfangreichen Projektes ist immer höchst spannend, zumal viele Arbeiten speziell für den Ort konzipiert sind und zum ersten Mal realisiert werden. Was waren für Sie die in der Vorbereitung die eindrücklichsten Erlebnisse?

Die eindrücklichsten Erlebnisse waren die Kommentare der jüngeren Künstler, die sich erstmals mit dem Thema Skulpturenpark auseinandergesetzt haben und mir deutlich gemacht haben, dass sich ihre Sicht auf dieses Thema deutlich verändert hat im Vergleich zu einer älteren Künstlergeneration indem sie stärker aber auch zurückhaltender Bezug auf die Gegebenheiten des Skulpturenparks und seiner Geschichte nehmen.

Sie haben die neuen Arbeiten als „Auslöser eines verweilenden Schauens“ bezeichnet, wird hier im Skulpturenpark ein meditativer Raum inmitten des umgebenden Kölner Verkehrsgeschehens erzeugt?

Wenn Sie „meditativer Raum“ nicht zugleich als einen sakralen Raum denken, dann ja, weil ich Meditation begreife als ein, wie ich es genannt habe, verweilendes Schauen, als ein allmähliches Erkennen von Zusammenhängen, die man vielleicht in einem anderen Umfeld so nicht wahrnehmen würde.

Was können Sie den Besuchern mit auf den Weg durch den Skulpturenpark Köln geben, wie erschließt man sich die Neuinszenierung am besten, was zeichnet die KölnSkulptur 6 besonders aus?

Da ist ganz einfach: Schauen, sich selbst Sichtachsen erschließen und Zusammenhänge, die man erkennt, auch als solche akzeptieren und vor allem genießen.

Die KölnSkulptur 6 zeichnet besonders aus, dass sie um das Moment der Architektur erweitert wurde, die „Garden Gallery“ von Sou Fujimoto setzt in mehrdeutiger Hinsicht neue Maßstäbe und zeigt gegebene Dimensionen in neuer Proportion.

Hinweise zu der Konzeption und den einzelnen Arbeiten erhalten Besucher übrigens in den öffentlichen Führungen jeden ersten Sonntag im Monat und im Katalog, der aufgrund der Dokumentation aller Arbeiten in drei Wochen im Verlag der Buchhandlung Walther König erscheinen wird.

Das Interview mit Dr. Friedrich Meschede führte Tom Koesel. Es ist ursprünglich bei  www.rheinschiene-aktuell.de erschienen.

 

Tom Koesel ist Autor der Publikation „Rheinschiene“ (ISBN 3-9804781-3-0 ) und Projektleiter des gemeinsamen Kunstportals der Rheinstädte Bonn, Düsseldorf und Köln, www.rheinschiene-aktuell.de. Für Kunstfreunde versendet die Redaktion des Portals einen monatlichen Newsletter mit Hinweisen auf ausgewählte Projekte, Ausschreibungen und neue Kunstorten, der über das Kontaktformulare der Website bestellt werden kann.

 

 

 

 

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Skulpturenpark feiert Neueröffnung
"Besucher sollen sich ihre Sichtachsen selbst erschließen"
Am Sonntag, den 15. Mai, wurde unter dem Titel "KölnSkulptur #6" die sechste Neuinszenierung von Außenskulpturen im Kölner Skulpturenpark eröffnet. Unter den 3.300 Besucher war auch OB Jürgen Roters, der in einer Rede die Bedeutung des Sklupturenparks für Köln würdigte. In dem folgenden Interview erläutert der Kurator Dr. Friedrich Meschede das Konzept des deutlich erweiterten Parks.
http://www.koeln.de/koeln/besucher_sollen_sich_ihre_sichtachsen_selbst_erschliessen_475272.html
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