Kubanisches Tanztheater
Ballet Revolución begeistert mit Tänzen zu Prince und Usher
Wenn eine Tanzkompanie von sich behauptet sie "revolutioniere", erweckt sie große Erwartungen und hält möglicherweise nicht, was sie verspricht. Kein anderer Name aber könnte die "Ballet Revolución" besser beschreiben, die bei ihrer Premiere am 11. Juli über tausend Tanzbegeisterte in der Philharmonie von den Stühlen riss.
Von Viola Niedenhoff
Kurz vor acht Uhr war es, als sich einige der Promis immer noch von den anwesenden Fotografen ablichten ließen - bis sie ein lauter "Gong" endgültig auf ihre Sitzplätze im Saal verwies. Die kubanische Hintergrundmusik stoppte, das Licht ging aus, während die ersten Tänzer in eng anliegenden, zerfetzten Overalls die Bühne betraten. Auf "Don Quixote" verblüfften die an der Escula Nacional de Arte ausgebildeten Tänzer mit klassischer Präsizion, schwungvollen, grazilen Drehungen, Sprüngen und Hebungen.
Unerwartetes Live-Konzert im Eintrittspreis mitenthalten
Doch bei einer rein klassischen Performance sollte es nicht bleiben: Bei "Cumbachero" von Rafael Hernandez tauchten die Zuschauer ein in das Leben in Kuba: Bunte Kostüme und Männer mit langen Rasta-Locken verbildlichten karibische Feste, Karneval und kubanischen Salsa. Der erste Höhepunkt der Show ließ nicht lange auf sich warten, als die Rückwand der Bühne transparent wurde und eine achtköpfige Band zum Vorschein kam. Jetzt wurde deutlich: An diesem Abend zahlten die Besucher nicht nur für eine Tanzperformance, sondern auch für ein erstklassiges Live-Konzert.
Mit dem Hit "Yeah 3x" von Chris Brown ging das erste Raunen durch die Sitzreihen. Erstaunlich war es, wie die Tänzer dem Charthit eine ganz neue Note verpassten, indem sie Ballettelemente mit modernem Tanz und Folklore mischten. Gleichermaßen sorgten "If I were a boy" und "Single Ladies" von Beyoncé sowie "Hero" von Enrique Iglesias für Gänsehaut-Momente. Lauter Jubel, begeisterte Pfiffe und heftiges Geklatsche zeigten von Anfang an, dass die Kubaner ausnahmslos alle Besucher in ihren Bann zogen.
Video: "Ballet Revolución" - Auftakt des Sommerfestivals
Nach einer Trommeleinlage von Luis Palacios Galvez, die für Begeisterungsschreie sorgte, und einer tänzerischen Performance samt Beatbox-Einlage von Sänger Weston Foster wurden die Besucher in die Pause geschickt. Kleinere Plaudereien machten deutlich, dass keiner der Gäste die rund zwanzig Minuten bis zum Beginn der zweiten Hälfte abwarten wollte.
Mit einem Tango auf Gotan Project, einer lässigen Barfuß-Nummer auf "No Woman No Cry" (Bob Marley) und einer Breakdance-Einlage auf "DJ Got us falling in love again" (Usher) demonstrierten die Tänzer auch nach der Pause, mit welch einer Perfektion sie sich ganz unterschiedlichen Tanzstilen annehmen. Ein Solo von Moisés León Noriega auf Purple Rain von Prince dürfte am Ende - so abgedroschen die Floskel auch klingen mag - jeden einzelnen im Publikum berührt haben.
Mit Standing Ovations wurden die Tänzer am Ende vom den durchweg begeisterten Zuschauern verabschiedet. Und tatsächlich sollte es sich lohnen die leere Bühne auch noch minutenlang nach dem Abgang der Tänzer weiter zu beklatschen, denn mit "She Bangs" von Ricky Martin lieferten die Kubaner eine Zugabe, die man als wahre "Abschlussfeier" bezeichnen kann. She Bangs zeigte keine reine Choreografie, sondern vielmehr den persönlichen Ausdruck jedes einzelnen Tänzers samt Spagatsprüngen, Piouretten und Saltos.
Wer "Ballet Revolución" in der Philharmonie besuchen möchte, hat dazu noch bis zum 15. Juli sowie vom 7. bis 19. August Gelegenheit. Tickets erhalten Sie zwischen 21 und 72 Euro im koeln.de-Ticket-Shop.
(Erstellt am 12. Juli 2012 - 9:16 Uhr; aktualisiert 12. Juli 2012 - 15:27 Uhr)
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