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Ein Jahr Köln (6) - 9. Januar 2013

Arsch huh für die Archäologische Zone

Von

Ein Jahr Köln mit Edgar Franzmann - Do liss de an der Ääd
Nach 44 Jahren als Journalist und Autor geht koeln.de-Chefredakteur Edgar Franzmann Anfang Dezember 2013 in Rente, Anlass für die Kolumne „Do liss de an der Ääd!". Ein Jahr lang, immer mittwochs, erzählt Franzmann über „sein“ umwerfendes Köln. Lesen Sie heute die 6. Folge.

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Es ist toll und notwendig, sich gegen Rassismus und Neonazis zu engagieren. "Arsch huh - Zäng ussenander" spielte in Köln eine Vorreiterrolle, ich bin stolz darauf, vor 20 Jahren am Chlodwigplatz dabei gewesen zu sein. Es ist weit weniger toll, wenn unter dem Namen "Arsch huh" ganz andere Ziele verfolgt werden, zum Beispiel, die Archäologische Zone und das Jüdische Museum zu stoppen ...

Mit "Arsch huh" kann man inzwischen ja fast alles machen. Der EXPRESS erfand am letzten Wochenende für Fußballer Kevin-Prince Boateng eine "Arsch-huh-Medaille", weil der sich gegen rassistische Beleidigungen wehrte und ein Freundschaftsspiel des AC Mailand bei einem Viertligisten abbrach.

Nichts gegen Boatengs demonstrative Aktion, aber ich bezweifle, ob der EXPRESS dem Kicker die Medaille auch dann verliehen hätte, wenn er vor der WM 2010 statt Leverkusens Michael Ballack den kölschen Prinzen Lukas Podolski umgetreten hätte.

Der EXPRESS holte sich seine Arsch-huh-Medaillen-Legitimation übrigens durch Zitate bei "Arsch-huh-Initiator" Walter Pütz und "Arsch-huh-Unterstützer" Peter Brings.

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Mein alter Freund Karl-Heinz Pütz, Hörbuch-Verleger und Mit-Organisator der Arsch-huh-Konzerte, positioniert sich zum neuen Jahr lautstark gegen die Archäologische Zone und das Jüdische Museum am Kölner Rathaus. Er tut das nicht als Privatmann, sondern ausdrücklich als "Sprecher der AG Arsch huh". (Die Versammlung, auf der die Arsch-Huh-Künstler einen "Sprecher" wählen, möchte ich erleben.)

Pütz verbündete sich in der Kampagne mit Hotelier Werner Peters, Gründer und Vorsitzender der Partei der Nichtwähler, und Frank Deja von "Köln kann auch anders", die maßgeblich daran mitwirkten, dass der Stadtrat den Beschluss zum Neubau des Schauspielhauses kippte. 

Jetzt sollen also die Archäologische Zone und das Jüdische Museum abgeschossen werden. Peters meinte, es bedürfe nur noch einer "organisatorischen Initialzündung".

Da kommt "Arsch huh" natürlich gerade recht. Denn, man weiß ja: Wenn "Arsch huh" ruft, dann folgen die Kölner.

Der Kölner Stadt-Anzeiger rechnete vor: 

Im vorigen November kamen rund 70.000 Menschen zum Arsch Huh-Jubiläumskonzert und der Demo. Die Veranstaltung auf der Deutzer Werft richtete sich nicht nur gegen Rassismus, sondern auch gegen das soziale Auseinanderbrechen der Stadtgesellschaft.

'Wir haben in Köln eine Generation junger Menschen im Alter von 16 bis 20 Jahren, die drohen uns aus der Stadtgesellschaft wegzukippen', sagt Organisator Pütz. ...

Der Rat müsse sich seiner Verantwortung stellen und Schwerpunkte setzen, fordert Pütz: Soll die Stadt zweistellige Millionenbeträge im Sozialetat kürzen oder auf den Museumsbau verzichten?

Lieber Karl-Heinz, das ist nicht nur falsch, das ist platt, kleingeistig und demagogisch.

Erstens ist es falsch, sich ausgerechnet zum Verbündeten der "Nichtwähler" zu machen. Wir brauchen eine höhere Wahlbeteiligung, nicht noch mehr Nichtwähler.

Nur, wer so einflussreich ist, dass er andere Druckmittel hat (Geld, Presse, Prominenz), kann erwarten, seine Interessen auch als Nichtwähler durchzusetzen. Der normale Bürger muss wählen gehen, gerade auch, um denen, die an demokratischen Prozessen vorbei agieren wollen, das Wasser abzugraben.

Zweitens ist es völlig daneben, den Bau des Museums gegen die Kürzungen im Sozialetat in Stellung zu bringen. Wenn der Bau gestoppt würde, wäre viel Geld verloren, aber kein Cent für Soziales gewonnen.

Die Archäologische Zone ist tatsächlich mal ein Kölner Vorhaben von Weltklasse und dazu noch vergleichsweise preiswert, dass es aberwitzig wäre, es zu stoppen.

Innenstadt-Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) sei gedankt, dass er sich als erster Stadtpolitiker aus der Deckung getraut und seinen Arsch huh für die Archäologische Zone bekommen hat. Er hat Unterstützung verdient.

Ich kenne das Konzept der Archäologischen Zone seit vielen Jahren. Ich hatte das Glück, dass Hansgerd Hellenkemper, ehemaliger Direktor des Römisch-Germanischen Museums, mir die ersten Planungen einmal erläuterte.

Dass das Projekt zwischendurch ins Schlingern geriet, auch durch peinlich-falsche Personalentscheidungen, ist bedauerlich. Aber inzwischen sind die Weichen richtig gestellt. Stadt und Land finanzieren den Bau, der Landschaftsverband wird die laufenden Kosten übernehmen.

Das ist übrigens das erste Mal, dass der Landschaftsverband ein Museum in der Stadt übernimmt, in der er seinen Sitz hat, sonst hat er sich nur anderswo im Rheinland engagiert.

Freuen wir uns also auf die Archäologische Zone und das Jüdische Museum! Freuen wir uns auf eine einmalige Kulturwanderung vom Dom über Römisch-Germanisches Museum bis hin zum Rathausplatz, wo dann endlich auch das Wallraf-Richartz-Museum wieder aufgewertet würde!

Anderswo auf der Welt würde man ein neues Disney-Land bauen, um eine Zeitwanderung durch 2000 Jahre Geschichte präsentieren zu können. Bei uns in Köln ist das alles echt!  

Ich kann nur an die Politiker appellieren, ihre Beschlüsse zur Archäologischen Zone und zum Jüdischen Museum nicht wieder zu kippen.

Und ich kann an die Freunde von "Arsch huh" nur appellieren, ihren Einfluss nicht zu missbrauchen und ihre Integrität nicht aufs Spiel zu setzen. Archäologische Zone und Jüdisches Museum sind nun wahrlich keine geeigneten Gegner im Kampf gegen Rassismus und Neonazis. 

Und dann sollten wir alle in Köln gemeinsam daran gehen, die Finanzen der Stadt so sorgfältig zu planen und zu verteilen, dass keine weitere Spaltung der Gesellschaft entsteht.

In diesem Sinne: Arsch huh - Zäng ussenander.

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Vielleicht bedauern die Gegner der Archäologischen Zone ja in Wirklichkeit nur, dass dass der Platz vor dem Rathaus-Balkon kleiner wird, wenn die nächste Meisterschaft des FC zu feiern ist.

Aber dafür gibt es doch eine ganz einfache Lösung: Baut einen neuen Balkon auf der anderen Rathausseite an, gerne mit Zugang vom Büro des OB aus - mit Blick zum Alter Markt. Dann bringen wir die "Hüsjer" schon zum Schunkeln!

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