111 Orte

Der Platzjabbeck am Rathaus streckt jedem die Zunge raus

Ausgerechnet am Kölner Rathausturm prangt unter der großen Uhr das Symbol großspurigen Selbstbewusstseins. Wer sich schon immer gefragt hat wer der gruselige Kerl mit dem Schlapphut ist, sollte vielleicht nocheinmal einen Abstecher an den Alter Markt wagen. Das lässt sich in der Weihnachtszeit auch gut mit einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt am Heumarkt verbinden.

Mit dem Platzjabbeck ist es ähnlich wie mit dem gegenüberhängenden Kallendresser: Über beide kursieren historisch widerlegbare Vorurteile. So wird man über die seltsame Fratze immer wieder hören, sie verspotte den Rat. Aber wie sollte das angehen, wo doch der Kölner Rat selbst im Jahr 1445 die Rechnung für diese Figur bezahlte und sie sodann am ehrwürdigen Ratsturm anbringen ließ? Und wie passt der vermeintliche Spott zu der Tatsache, dass die heute zu jeder vollen Stunde herausfahrende Zunge erst 1913 installiert wurde?

Nein, zur Ergründung des Platzjabbeck sollte man vielmehr bei seinem Namen anfangen. Während die erste Silbe ("Platz") lediglich auf den vor ihm liegenden Alter Markt verweist, stammt "beck" vom französischen "le bec", was so viel wie "Schnabel", "Mund" bedeutet. Das kölsche Wort "Jappe" bezeichnet einen – zum Beispiel beim Gähnen – weit aufgerissenen Mund. Und dieser wiederum rekurriert auf eine im Mittelalter sehr lebendige Sage um Karl den Großen. Er habe, so heißt es, seine drei Söhne aufgefordert, ihre Münder so weit wie möglich aufzusperren. Die Apfelstücke, die er den beiden Folgsamen unter ihnen hineintat, standen für ihre zukünftigen Anteile am Reich. Eine analoge Symbolik vermittelt der sogenannte "Schnapphans" am Jenaer Rathaus.

Großspuriges Selbstbewusstsein des Bürgertums


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Die Moral von der Geschicht’ ist simpel: Wer im richtigen Moment zuschnappt, der bekommt auch, was er möchte. Aber der Kölner Platzjabbeck stand auch noch für etwas anderes. 1396 besiegelten die Zünfte und Gaffeln ihren Sieg über die bis dato herrschenden Patriziergeschlechter mit dem Verbundbrief, der ersten Stadtverfassung. Als äußerliches Symbol dieses Triumphes wurde der Rathausturm errichtet (1407–1414). Der furchteinflößende Kerl mit dem Schlapphut, den aufgerissenen Augen und dem wilden Bart markiert also vor allem das neue, etwas zu großspurige Selbstbewusstsein des Bürgertums.

Adresse Alter Markt, Ostseite des Rathausturms | ÖPNV Bahn 1, 7, 9, Bus 132, 133, jeweils Haltestelle Heumarkt | Tipp Das deutlich seriösere Resultat des Sieges der Handwerker und Kaufleute, der Verbundbrief, ist im unfernen Stadtmuseum ausgestellt.

111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss - das Beste aus Band 1 und 2

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss - Band 2" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bestellen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.

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