Ein Narrenschiff in mittelalterlichem Fahrwasser
111 Kölner Orte: Der Karl-Berbuer-Platz
Karl Berbuer (1900–1977) war gelernter Bäcker. Unsterblich gemacht haben den gebürtigen Kölner jedoch nicht seine Brötchen, sondern das Liedgut des späteren Sängers und Komponisten.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Weit vorn in seinem Werk steht der Song »Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien« – eine Anspielung auf die deutsche Aufteilung unter den Besatzungsmächten. 1948 als Kölner Karnevalsschlager erschienen, schmetterte man das Lied bald in ganz Deutschland. Und in Ermangelung einer eigenen Nationalhymne spielte man es sogar vor zahlreichen internationalen Sportbegegnungen der frühen Nachkriegszeit.
Sein Denkmal am Rande der Severinstraße erinnert an einen weiteren Evergreen: das »Müllemer Böötche« oder, wie der Titel richtig lautet, »Heidewitzka, Herr Kapitän«. Das 1987 aufgestellte Brunnenschiff von Bonifatius Stirnberg ähnelt einer umgedrehten Narrenkappe, auch das Figurenkabinett hinter der Reling entstammt dem Fasteleer. Ein Lappenclown wird flankiert von einem Funken samt Mariechen und der Mutter Colonia am Bug. Darüber auf dem Mast thront der Sänger selbst. Kunsthistorisch schwimmt Berbuers kölsches Böötche über tiefem Grund.
Das »Narrenschiff« von Sebastian Brant (1457–1521) war Deutschlands größter Bestseller vor der Lutherbibel. Er thematisiert die Laster und Verbrechen der Menschheit, festgemacht an den typologisierten Passagieren eines Schiffes mit Kurs auf »Narragonien «. So unterhaltsam die verkehrte Welt hier daherkommt, so moralisch belehrend war sie auch gedacht: Brant hielt seinen Zeitgenossen den satirischen Spiegel vor.
Fortan wurde der Narr zu einer überaus beliebten Kunstfigur im europäischen Raum, aufgegriffen etwa von Hans Holbein d. J. und Hieronymus Bosch. Dass man in Köln von der mittelalterlichen Moralsatire den Dreh zum Zeitgenössisch-Karnevalesken fand, nun ja: Wirklich überraschen wird dies niemanden.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bei Amazon kaufen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.
(Erstellt am 12. November 2009 - 11:22 Uhr; aktualisiert 12. November 2009 - 13:25 Uhr)
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