Das Krieler Dömchen
111 Kölner Orte: Beten, Beichten und Richten
In Köln gibt es zahlreiche verblichene Ortsnamen, die bis heute als Gemarkungsbezeichnung und im Wortschatz der Bewohner weiterleben. Einer davon ist der ehemalige Pfarrsprengel Kriel, dessen Grenzen weitgehend identisch waren mit dem heutigen Lindenthal.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Bei der Eingemeindung 1888 lebten hier ganze 126 Menschen, aber schon in römischer Zeit spielte der westlich vor den Mauern gelegene Flecken eine bedeutende Rolle, als Kornkammer der niedergermanischen Kolonie nämlich. Zentrum von Kriel waren über Jahrhunderte das Hofgut an der Zülpicher Straße (abgerissen 1926) sowie die direkt angrenzende Kirche.
Hier wurde einst nicht nur gebetet und gebeichtet, sondern auch Gericht gesprochen. Noch heute erkennt man unter den hohen Fenstern an der südlichen Schiffseite vier wie Haken aus der Wand ragende Kragsteine. Mit ziemlicher Sicherheit stieß hier früher eine sogenannte Gerichtslaube an, bevor das Krieler Hofgericht im 15. Jahrhundert nach St. Gereon verlegt wurde.
Ebenfalls an der Südseite sind zwei rechteckige Gedächtnistafeln mit eingemeißelten Volutenkreuzen vermauert. Diese Art der Erinnerung an Verstorbene war eine Kölner Eigenheit, die sich unter anderem auch an St. Gereon und Groß St. Martin wiederfindet.
Die Baugeschichte von St. Stephanus, wie das romanische Dömchen offiziell heißt, reicht zurück bis etwa ins Jahr 900, als die ursprüngliche Holzkonstruktion einem Steinbau wich. Im 12. Jahrhundert wurde er um den markanten Turm ergänzt, der außer Tuffstein noch vereinzelte römische Ziegel aufweist.
Schon vor zweitausend Jahren entstanden hier die ersten Ziegeleien, die bis ins frühe Mittelalter weiterbetrieben wurden. Der Hauch der Geschichte weht auch über den zur Straße hin gelegenen kleinen Friedhof, den ältesten ganz Lindenthals. Seine Grabsteine stammen zum Teil noch aus dem 17. Jahrhundert, bis 1869 fanden hier Beerdigungen statt.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bei Amazon kaufen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.
(Erstellt am 10. März 2010 - 14:16 Uhr; aktualisiert 20. März 2010 - 17:46 Uhr)
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