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Peter Handke - Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte.

  • Land
    Deutschland
  • Länge
    89 Minuten
  • Jahr
    2016
  • FSK
    o.A.
  • Regie
    Corinna Belz
  • Darsteller
    Peter Handke
  • Genre
    Dokumentarfilm

Von Österreich nach Paris hat es den Schriftsteller Peter Handke verschlagen. Dazwischen liegen fünf Jahrzehnte Aufmischen der Literaturwelt. Handke gilt als zurückgezogener, aber provokanter, ja streitbarer Autor. In diesem Film kommt der Künstler ausgiebig zu Wort, in seinen Wohnorten in Frankreich, auf Reisen. Die Schönheit seiner Sprache steht im Mittelpunkt des Dokumentarporträts - das, was Handke sagt, aber auch, was er verschweigt.

Bewertung durch die FBW

Peter Handke ist einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren. Der österreichische Schriftsteller veröffentlicht seit Ende der 1960er Jahre seine oftmals radikalen und unbequemen Texte. Darin beschäftigt er sich unter anderem mit der Entfremdung des Menschen von der Welt, in der er lebt. Eine zentrale Frage seiner frühen Schriften ist diese: "Wie soll man leben?" In ihrem Dokumentarfilm besucht die Filmemacherin Corinna Belz den berühmten Künstler, der zurückgezogen in Frankreich auf dem Lande lebt, in seinem Zuhause. Sie begleitet ihn beim Durchwandern seines Gartens, beim Putzen der Pilze für das Abendbrot, beim Bummel durch die angrenzende nächstgrößere Stadt, beim Essen mit seiner Tochter. Dazwischen immer wieder historisches Bildmaterial, Interviews mit dem Meister selbst, Fotografien aus der Vergangenheit, Ausschnitte aus seinen Texten, gelesen von ihm, in dieser typisch langsamen, immer etwas versetzt nuancierten Art. Belz' Film setzt dabei nie den Anspruch, den "wahren" Peter Handke zu zeigen. Der Film macht ganz im Gegenteil auf kluge Weise deutlich, wie sehr ein Künstler, der etwas erschafft, auch selbst zu etwas Künstlichem wird. Gleich zu Beginn akzeptiert Handke dieses Schicksal. Er wisse, eine Rolle zu spielen, er wisse nur nicht, welche. Und so inszeniert Handke sich. Belz lässt ihn dabei gewähren, fängt aber genau diese Inszenierung mit ruhigen und exakt komponierten Bildern ein, hält sich im Hintergrund. Nur manchmal sind ihre Fragen zu hören. Die meiste Zeit aber dominiert der Autor, der als Enfant Terrible der Literatur bekannt wurde. Nun aber, und dies macht PETER HANDKE - BIN IM WALD. KANN SEIN, DASS ICH MICH VERSPÄTE klar, scheint er selbst eine seiner wichtigsten Fragen beantwortet zu haben. "Wie soll man leben?" Peter Handke zeigt in seinem Zuhause in Frankreich jedenfalls, wie er leben möchte. Ein kluger und reflektierter Film über einen großen Künstler. Und einen Menschen, der die Kunst auch dazu nutzt, sein eigenes Ich zu schützen....mehr

Diese Rezension wurde von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden verfasst.