Professor im Fachbereich
Sozialwesen der Katholischen Hochschule NRW
1) Warum sind Sie Wissenschaftler geworden?
Das ist so eine starke Neigung, so sehr ein Teil meiner
Persönlichkeit, dass ich kaum einen konkreten Grund angeben kann. Wissenschaft
ist immer spannend, Erkenntnisse sind immer überraschend, wenn man beides
spannend bzw. überraschend findet. Man braucht eine kindliche
Begeisterungsfähigkeit für die großen Theorien und die kleinen Unterschiede.
2) Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit?
Die
Tätigkeit als Hochschullehrer verbindet Forschung, Lehre und verwaltende
Gremienarbeit. Das sind drei vollkommen getrennte Welten, die man kaum unter
einen Hut bringen kann. So liegt eine Faszination im Rollenwechsel, darüber
hinaus gibt es jeweils Faszinationen in den einzelnen Tätigkeitsfeldern.
Speziell die Arbeit mit motivierten Studierenden ist ein Geschenk, das beide
Seiten reifen lässt.
3) Was waren Ihre größten Herausforderungen?
Eine eigene Sicht meines Faches zu definieren und
fortzuentwickeln. Herausfordernd ist jeder Neubeginn, wenn der Rückgriff auf
Vorarbeiten und Erfahrungen nur begrenzt möglich ist. Für mich war es der
Wechsel von der Volkswirtschaftslehre zum Schwerpunkt Sozialpolitik und dann
die Fokussierung auf die Soziale Arbeit. Man muss immer mehr in Zusammenhängen
denken, obwohl die Literatur immer spezialisierter wird.
4) Gab es auch Flops?
Flops gibt es täglich. Meine größten Flops habe ich
produziert, wenn Projekte für mich nicht passten oder ich vorschnell gängige
Meinungen übernommen habe. Das kann man minimieren, aber nicht ausschließen.
Wer wagt, kann floppen. Wer nicht wagt, hat schon gefloppt.
5) Woran arbeiten Sie gerade?
Zur Zeit arbeite ich an der Endfassung einer
Buchveröffentlichung im Nachgang einer Evaluationsstudie. Themaist ein Unterstützungsnetzwerk, das
Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf helfen soll. Theoretisch
versuche ich mich an einer Theorie der Sozialen Arbeit als Intervention, die
mit den Begriffen der Dialektik und Aufklärung operiert und sich mit der Systemtheorie
und dem amerikanischen Pragmatismus befasst. Mal schauen, ob das was wird.
6) Mit welchen Fragen werden Sie sich in zehn Jahren beschäftigen?
Soziale Probleme sind nur bedingt prognostizierbar und somit
kann man über die Zukunft der Praxisforschung nur spekulieren. Ich werde vor
allem mit den Themen Bildung, Integration und Armut zu tun haben. Zudem werde
ich meine theoretische Arbeit auf das Selbstverständnis von Sozialpolitik und
Sozialer Arbeit mit besonderem Schwerpunkt auf sozialökonomische Fragen konzentrieren.