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Kölner Wissenschaftler erzählen

Prof. Dr. Werner Schönig

Professor im Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Hochschule NRW

1) Warum sind Sie Wissenschaftler geworden?

Das ist so eine starke Neigung, so sehr ein Teil meiner Persönlichkeit, dass ich kaum einen konkreten Grund angeben kann. Wissenschaft ist immer spannend, Erkenntnisse sind immer überraschend, wenn man beides spannend bzw. überraschend findet. Man braucht eine kindliche Begeisterungsfähigkeit für die großen Theorien und die kleinen Unterschiede.

2) Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit?

Die Tätigkeit als Hochschullehrer verbindet Forschung, Lehre und verwaltende Gremienarbeit. Das sind drei vollkommen getrennte Welten, die man kaum unter einen Hut bringen kann. So liegt eine Faszination im Rollenwechsel, darüber hinaus gibt es jeweils Faszinationen in den einzelnen Tätigkeitsfeldern. Speziell die Arbeit mit motivierten Studierenden ist ein Geschenk, das beide Seiten reifen lässt.

3) Was waren Ihre größten Herausforderungen?

Eine eigene Sicht meines Faches zu definieren und fortzuentwickeln. Herausfordernd ist jeder Neubeginn, wenn der Rückgriff auf Vorarbeiten und Erfahrungen nur begrenzt möglich ist. Für mich war es der Wechsel von der Volkswirtschaftslehre zum Schwerpunkt Sozialpolitik und dann die Fokussierung auf die Soziale Arbeit. Man muss immer mehr in Zusammenhängen denken, obwohl die Literatur immer spezialisierter wird.

4) Gab es auch Flops?

Flops gibt es täglich. Meine größten Flops habe ich produziert, wenn Projekte für mich nicht passten oder ich vorschnell gängige Meinungen übernommen habe. Das kann man minimieren, aber nicht ausschließen. Wer wagt, kann floppen. Wer nicht wagt, hat schon gefloppt.

5) Woran arbeiten Sie gerade?

Zur Zeit arbeite ich an der Endfassung einer Buchveröffentlichung im Nachgang einer Evaluationsstudie. Thema  ist ein Unterstützungsnetzwerk, das Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf helfen soll. Theoretisch versuche ich mich an einer Theorie der Sozialen Arbeit als Intervention, die mit den Begriffen der Dialektik und Aufklärung operiert und sich mit der Systemtheorie und dem amerikanischen Pragmatismus befasst. Mal schauen, ob das was wird.

6) Mit welchen Fragen werden Sie sich in zehn Jahren beschäftigen?

Soziale Probleme sind nur bedingt prognostizierbar und somit kann man über die Zukunft der Praxisforschung nur spekulieren. Ich werde vor allem mit den Themen Bildung, Integration und Armut zu tun haben. Zudem werde ich meine theoretische Arbeit auf das Selbstverständnis von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit mit besonderem Schwerpunkt auf sozialökonomische Fragen konzentrieren.

(18.8.2009)

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